Der Legende nach ritt ein römischer Soldat namens Martin an einem bitterkalten Wintertag an einem Bettler vorbei. Der Mann hungerte und fror. Da teilte Martin von Tours mit dem Schwert seinen purpurroten Mantel in zwei Hälften und gab eine davon dem Bettler, damit dieser sich wärmen konnte.

Diesen Akt der Barmherzigkeit feiern an diesem Wochenende Tausende Kinder im Kreis Coburg mit den örtlichen St.-Martins-Umzügen. Den Anfang hat bereits am Donnerstag der Creidlitzer Kindergarten zusammen mit einigen Grundschulkindern und ihren Eltern gemacht. Der Höhepunkt für die rund 75 Knirpse: In dem Coburger Ortsteil werden die Martinskinder und ihre Laternen traditionell von einem prächtigen Ross begleitet, dem bayerischen Warmblut Lord vom Reitstall Angermüller. "Wir machen das schon viele Jahre. Schon die Mutter von Lord hat früher die Umzüge begleitet", erklärt Martin Angermüller.

Um das Bild vom heiligen Martin abzurunden, darf natürlich neben dem Ross auch der Reiter nicht fehlen. Martin Angermüllers Sohn Paul hat selbst den Creidlitzer Kindergarten besucht und schlüpfte für die kleinen Laternenträger gerne in das Gewand des edlen Ritters.

Auf dem Rücken von Lord führte er den Umzug an, das Laternenmeer folgte dem behuften Gespann vom Kindergarten bis zur Kirche, wo die Kinder "Als Martin ein Soldat noch war", "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne" sangen. Diese und weitere hatten sie zuvor in ihren Kita-Gruppen einstudiert.

Nachdem die Tradition im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausfallen musste, strahlten die Kinderaugen in diesem Jahr noch mehr als sonst. Stolz wurden die leuchtenden und teilweise sogar blinkenden Laternen präsentiert. Und auch wenn es in Creidlitz an diesem frühen Abend vermutlich fast so kalt war wie an besagtem Wintertag in der Legende, wurde den Eltern bei dem Anblick der glücklichen Kinderschar warm ums Herz.

Apropos St. Martin: Dass es am 11. November nicht nur um Laternen und große Pferde geht, haben die Creidlitzer Kita-Kinder auch gelernt. Am Freitagmorgen haben sie in ihren Gruppen gemeinsam gefrühstückt und Martinsgänse aus Hefeteig miteinander geteilt. Wer gibt, ist reicher als derjenige, der alles für sich behält.