"Nirmayas Haus" ist fertig! Drei Zimmer, ein Badehäuschen mit Toilette - alles erdbebensicher. Darüber freuen sich nicht nur die Familie Basel aus Malekhu, sondern auch 18 Kulmbacher und Freunde, die sich Anfang März 2020 auf den Weg nach Nepal gemacht hatten, um Kultur zu erleben und Patenkinder zu treffen.

Wieder zu Hause, hatten die Reiseteilnehmer unter Federführung von Martina und Dieter Feldbaum innerhalb von drei Wochen in einer beispiellosen Spendenaktion für eine Frau gesammelt, deren Schicksal ihnen besonders zu Herzen gegangen war: Nirmaya Basel. Der "Kassensturz" ergab rund 13 000 Euro auf dem Konto der Nepalhilfe Kulmbach.

Die Vorgeschichte

Nirmaya Basel ist Mutter von drei minderjährigen Patenkindern und seit zwei Jahren Witwe. Ihr Mann war nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Die Nepalhilfe Kulmbach hatte sie in ihrer ersten Not bereits hilfreich unterstützt. Das gesamte Ausmaß ihres Unglücks wurde aber erst beim Besuch in Malekhu deutlich. Nirmaya Basel hat mit ihrer Familie in einem kleinen Haus gewohnt, das ihrem Patron gehörte. Nirmaya und ihr Mann arbeiteten beide für diesen Großgrundbesitzer - für sehr wenig Geld. Dafür sollte aber das Haus, in dem sie wohnten, einmal ihnen gehören. Leider konnte sich der Patron nach dem Tod des Mannes nicht mehr an sein Versprechen erinnern. Vielmehr warf er Nirmaya aus dem Haus und kündigte ihr.

Die tapfere Frau fand nach einigem Hin und Her zwar wieder Arbeit und eine Unterkunft. Sie arbeitete auf dem Bau und schleppte schwere Körbe mit Steinen, und das bei ihrem angeschlagenen Gesundheitszustand.

"Das Quartier, in dem sie mit ihren drei Kindern untergekommen war, haben wir uns angeschaut. Zwölf Qua­dratmeter in mehr oder weniger Rohbauzustand mit zwei Betten für vier Personen", erinnert sich Sigrid Daum-Sauermann, die die Reisegruppe begleitete. "Toll, wie liebevoll diese Frau ihre vierköpfige Familie in dem winzigen Raum versorgte." Doch der Vermieter erhöhte die Miete fast monatlich, Nirmaya blieb nichts mehr zum Leben. Sie musste die Kinder oft schweren Herzens ohne Frühstück in die Schule schicken.

"Wir Reiseteilnehmer waren uns alle spontan einig, dass diese Familie dringend Hilfe bekommen sollte und dass wir alle zusammen dafür sorgen wollten, dass sie eine Behausung bekommt, aus der sie niemand mehr vertreiben kann", so Spendeninitiator Dieter Feldbaum. Beim Bau haben sich neben der Familie auch Freunde und Nachbarn eingebracht, das ist in Nepal so üblich. Die Familie der Lehrerin der Schule in Malekhu, Sabita Tripathi, überschrieb Nirmaya Basel ein Grundstück aus ihrem Besitz zu einem Bruchteil des üblichen Preises. Die wohlhabendere Familie Tripathi war begeistert von der Kulmbacher Aktion.

"Mikrokredit" aus Kulmbach

Die Nepalhilfe Kulmbach hat sich des Projektes angenommen und den Geldtransfer organisiert, um ein Grundstück zu kaufen und ein Häuschen mit drei Räumen, einer WC-Anlage und einer Zweikammerausfaulgrube, einem Ziegengatter und einer kleinen Solaranlage darauf bauen zu können. Nirmaya wird außerdem einen "Mikrokredit" von der Nepalhilfe bekommen, um sich zwei Ziegen kaufen zu können, die ihr den Lebensunterhalt sichern sollen.

Stefan Schaffranek vom gleichnamigen Reisecenter, begrüßt diese Art des "sozialen Kulturtourismus" sehr: "Es geht darum, bei Reisen offen zu sein für Neues, für fremde Kulturen."

Für Herbst 2021 hatte das Reisecenter Schaffranek eine erneute Reise nach Nepal geplant. Wegen der Corona-Beschränkungen wurde der Termin jedoch auf das Frühjahr 2022 verschoben. Sigrid Daum-Sauermann wird wieder die Reisebegleitung übernehmen. "14 Tage werden wir neben den Königsstädten Kathmandu, Bakhtapur und Patan auch Nagarkot besuchen, einen kleinen Ort am Kamm der Ostseite des Kathmandutals. Dessen Attraktion ist der fantastische Blick auf die Gebirgskette des Langtang Himal von der Annapurna bis zum Everest-Massiv." Und selbstverständlich werde Malekhu auf der Reiseroute liegen. Dort werde man die Patenkinder besuchen und das Haus von Nirmaya besichtigen ...

Corona bleibt ein Problem

Die Entscheidung, die Reise im Herbst nicht anzutreten, wurde von den jüngsten Corona-News aus Nepal bestätigt. Shyam Neupane beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "Die letzten Monate verhielten sich die Bewohner so, als gäbe es kein Virus mehr. Ab April drängten sich die Menschen bei religiösen Festlichkeiten zusammen - die meisten ohne Maske. Hinzu kam die nahe Grenze zu Indien." Mittlerweile steige die Zahl der positiv Getesteten im Kathmandutal rasant an. red