Wer hätte das gedacht: Über eine Stunde lang lauschen die Zuhörer bedächtig der bretonischen Sängerin. Gerade noch sitzen sie gemütlich im Stadtschloss bei einem Bierchen oder einem Glas Wein, doch binnen weniger Minuten schlängeln sich 80 Menschen durch den Saal. Sie stehen auf, bilden Gruppen, stampfen rhythmisch auf den Boden, formieren schließlich eine riesige Polonaise. Sprudelnde Lebensfreude überall. Allen voran: Gwennyn, die bretonische Sängerin.
Ihre Band gibt den Rhythmus vor: Patrice Marzin an der Akustikgitarre, Manu le Roy am Bass und Kevin Camus mit den Uillean Pipes. Nur allmählich löst sich die Reihe wieder auf, die Menschen tanzen wieder in kleineren Kreisen. Besonders eine Gruppe tanzt und tanzt. "Es war perfekt, danke! Wie in der Bretagne!", ruft sie mit französischem Akzent ins Publikum und fügt hinzu: "Besser als in der Bretagne!" Zauberei? Eher Charisma und gute Musik. Nicht zu glauben, wohin das führt, als Gwennyn das Publikum auffordert: "Die kleinen Finger einanderreichen und die Stühle unter den Tisch!"


Sagenumwobene Namen

Doch Zauberei wäre in der keltischen Welt der Sängerin nicht undenkbar. Gwennyn liebt ihre keltische Welt, ihre bretonischen Wurzeln. Auch während ihres Geschichtsstudiums beschäftigte sie sich mit bretonischer und keltischer Kultur. Bisweilen verrät sie dem Publikum, welche Geschichten ihre Lieder erzählen. Sagenumwobene Namen werden genannt, von Merlin, Artus und Avalon ist die Rede. Aber auch geheimnisvolle Begebenheiten macht sie zum Gegenstand ihrer Lieder, wie etwa die "Nachtwäscherinnen", die ihre Wäsche im Mondschein waschen und dabei singen. Gwennyns Stimme ist mal tief und ruhig wie die See, mal schwebt sie klar und hoch über den Instrumenten. Sie ist immer bei sich, singt aus tiefster Seele, was es einfach macht, die Lieder zu begreifen, auch wenn man den Text kaum versteht.
Die meisten Lieder singt sie auf Bretonisch, manche auf Französisch und Englisch. Melancholische Gedanken und Melodien durchziehen viele ihrer Balladen. Eine erzählt von einem Mädchen, dessen Vater im Meer verschwunden ist und sie alleine zurücklässt. "Mein Vater, jetzt bist du weg, fortgegangen zur Insel der ewigen Jugend", übersetzt die Sängerin.


Irischer Dudelsack

Aber auch die fröhlich-beschwingten Lieder überzeugen, besonders durch das Können der drei Musiker. Kevin Camus verleiht der Musik mit den Instrumenten Uillean Pipes, einer irischen Version des Dudelsacks, und Low Whistle (eine große Schwester der Tin Whistle) keltisches Flair. Vor allem in dem einzigen Instrumentalstück können die drei Musiker sich besonders präsentieren.
"Es heißt, die Lieder aus der Bretagne stammen aus uralten Tagen." Immer wieder bringt Gwennyn dem Publikum die keltische Kultur näher. Vor allem im zweiten Teil des Konzertes erzählt sie von den Festen der Nacht, von den Tänzen, die nach der Feldarbeit getanzt wurden. "Wir tanzen viel in der Bretagne." Musik und Tanz, beides bringt Gwennyn dem Lichtenfelser Publikum näher und für einen Abend scheinen alle miteinander verbunden zu sein.