von unserer Mitarbeiterin Ingrid Kohles

Burgkunstadt — Erwartungsvoll versammelten sich am Donnerstag 24 Kinder im Deutschen Schustermuseum zur angekündigten Märchenstunde. Oben unter dem Dach des Museums hatten Marlene Bromm und Brigitte Güttler eine gemütliche Kuschelecke eingerichtet.
Dort lauschten die Mädels und Jungs den spannenden Märchen, die die Museumskräfte ausgewählt hatten. Marlene Bromm hatte sich in den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Jakob und Wilhelm Grimm die Märchen "Das Wasser des Lebens" und "Der Geist im Glas" ausgesucht und Brigitte Güttler las "Hans und die Bohnenranke" vor, ein englisches Märchen, das Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland bekannt wurde.


Rundgang mit den Nachtwächter

Die spannenden Geschichten zogen die Kinder lange in ihren Bann, als es dann aber hieß, man sei fertig mit Vorlesen, waren sie nicht mehr zu halten. Denn sie erwarteten mit Spannung einen weiteren Höhepunkt des Abends, einen Rundgang mit dem Nachtwächter.
Werner Kluge, der den historischen Nachtwächter an diesem Abend verkörperte, erklärte den aufmerksamen kleinen Zuhörern, dass es auch in Burgkunstadt schon vor Hunderten von Jahren Wächter und Beschützer des nächtlichen Lebens gab. Diese Nachtwächter mussten nach dem Rechten sehen, für nächtliche Ruhe sorgen, laute Zecher zur Ruhe anhalten und vor allem einen ausgebrochenen Brand melden.
Zur typischen Ausrüstung eines Nachtwächters gehörten eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, eine Laterne und ein Horn. Überliefert ist aus dem Jahr 1857: "Die Nachtwächter haben auf Feuer und Licht genau Obacht zu haben und wenn sie einen Brand entdecken, schleunigst die Hausbewohner aufmerksam, sogleich aber auch Feueralarm zu machen."
Vor der Zeit des elektrischen Lichts musste der Nachtwächter die Kienspäne und später die Gaslaternen rechtzeitig anzünden oder auslöschen. Auf seinen Rundgängen hatte der Nachtwächter zu jeder vollen Stunde von 21 Uhr bis 4 vier Uhr seinen Ruf erschallen zu lassen: "Hört ihr Herrn und lasst euch sagen, unsere Glock hat (...) geschlagen!"
Nach einem Rundgang vom Schustermuseum ausgehend über den Polizeirangen und die Fliehgasse erzählte Nachtwächter Kluge manche Anekdote aus dem Leben der ehemaligen "Borkuschter Nachtwächter".

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Alle Winkel ausgeleuchtet

Zum Abschluss dieser Exkursion kamen endlich die Taschenlampen zum Einsatz, die die Kinder schon erwartungsfroh in der Hand hatten. Endlich durften sie im Museumskeller alle Winkel ausleuchten, während der Nachtwächter ihnen erzählte, dass es in den Häusern rund um den Marktplatz noch viele teils mehrstöckige Keller gibt. Mit seinen humorvollen Erzählungen zog Werner Kluge sowohl die Kinder als auch die begleitenden Eltern und Großeltern in seinen Bann und alle genossen diesen Abend auf den Spuren von Märchen und historischen Geschichtchen rund um Burgkunstadt.