Es ist ein großartiges Forum, fast einer Weltstadt angemessen, das neue Turbinenhaus in der Alten Spinnerei. Genau der richtige Ort für die erste, individuelle Ausstellung des Kunstvereins Kulmbach.

Inmitten der Industrieromantik faszinieren zwei Künstlerinnen mit ihren Exponaten: Die Kulmbacher Malerin Connie Morsch und die Südkoreanerin Soojin Kang. Ein Gegensatz, der sich zu einer Einheit verbindet, fernöstliche Mystik und zarte Linienstruktur verströmen eine besondere Anziehungskraft.Als Betrachter bleibt man vor den Unikaten wie gebannt stehen und denkt nach. Das Interesse des Premierenpublikums war riesengroß, das Turbinenhaus mit über 100 Personen bestens besucht - unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften. Die Vernissage-Gäste konnten, begleitet von den Klängen der "Event Percussion Group", eintauchen in die Gestaltungswelt der zwei Protagonistinnen.

Etwa 30 Bilder präsentiert Connie Morsch, mit spitzer Feder, dünnem Pinsel und mit hochwertigen Pigmenten gezeichnet. Entstanden sind fein ziselierte Pflanzenkonstrukte voller spiritueller Schönheit.

Morsch bevorzugt nicht das Grelle, Auftrumpfende, es sind oft stille Metamorphosen, an die Schöpfung erinnernd. Da öffnet sich die Knospe zu verhaltener Pracht, Rosa und Grau strahlen dennoch zarte Leuchtkraft aus. Der Stil eines Gewächses in dorischer Säulenform, darüber Verästelungen, Verstrickungen, Pflanzenstränge, in sich wie unlösbar verknotet. Fabulierlust und Gedankenspiele inbegriffen.

Dazu gesellt sich in anderen Bildern der Ausdruck des Tanzes, der Ekstase. Die Titel "Derwisch" und "Irokese" drücken das treffend aus. Connie Morsch hat hier scheinbar ganz undominant den Pflanzen Leben eingehaucht, Gesichter gegeben. Diese besonderen "Kunstformen der Natur" sind sehenswert.

Dann noch die sechs Skulpturen der Soojin Kang, die seit einem Jahr in Grafendobrach heimisch ist: Ergebnisse traditionellen Webens aus Leinen, Baumwolle, ungebleichter Rohseide und Jute. Am mächtigen Kranhaken hängt ein ineinander fließendes Geflecht, wie Zen-Schnüre, unentwirrbar und doch in struktureller Harmonie. Die Asiatin brauchte für manches Objekt fast drei Monate, alles ist handgesponnen. Man glaubt beim Betrachten, den Narben eines Körpers nahe zu sein, eines lebenslang Gezeichneten.

Soojin Kang widerspiegelt die Rituale historischer Handwerkskunst, das Material wird durch Fantasie erhöht. Die Künstlerin hat schon in so renommierten Häusern wie im Victoria and Albert Museum in London ausgestellt.

In die Vernissage führte Anne Greim ein, sie nannte die Werke der beiden Künstlerinnen organisch, stofflich, haptisch und sehr sinnlich. "Sie beschwören eine Fülle von Assoziationen der Natur", so ihr Urteil.

Ihr Mann Karl-Heinz Greim, Vorsitzender des Kunstvereins Kulmbach, schwärmte nicht nur von der Ausstellung, sondern auch von der Location. Genauso wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner: "ein idealer Ort, der Kulmbachs Kunstwelt noch erhöht".