Weil sie von ihrer Putzstelle wertvollen Goldschmuck, Uhren und Münzen im Gesamtwert von weit über 10 000 Euro mitgehen ließ, muss eine 55-jährige Frau aus dem Landkreis ins Gefängnis. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt verurteilte die mehrfach vorbestrafte Putzfrau zu zwei Einzelstrafen von zusammen zwei Jahren und sieben Monaten.

Die Frau hatte die Wertsachen aus Schränken im Schlafzimmer und im Gästezimmer des Hauses, in dem sie eine Putzstelle angenommen hatte, gestohlen und per Internet an ein Goldankaufsunternehmen in München weiterverkauft. Die Anklage listete unter anderem Anhänger, Broschen. Ringe, ein Collier, Manschettenknöpfe und wertvolle Sammelmünzen auf. Allein eine Armbanduhr soll über 4000 Euro wert gewesen sein, eine weitere Uhr knapp 1500 Euro.

Das alles ist möglicherweise auch nur die Spitze des Eisbergs, denn die geschädigte Hauseigentümerin bezifferte den Schaden gegenüber der Polizei auf rund 30 000 Euro. Tatsächlich flossen schon vor dem angeklagten Tatzeitraum von Mai 2018 bis Mai 2020 größere Summen vom Goldankauf auf das Konto der Angeklagten. Das allerdings war nicht Gegenstand der Anklage und wurde deshalb auch nicht weiter aufgeklärt.

Als wesentliches Motiv für ihr Handeln gab die Frau ihre Spielsucht an. Aufgrund chronischen Geldmangels habe sie angefangen, bei verschiedenen Online-Casinos zu spielen. Im Falle eines größeren Gewinns hätte sie die Sachen zurückkaufen und auch zurückgeben wollen. Das ging allerdings gründlich daneben. Erstens blieb der größere Gewinn wie zu erwarten aus. Zweitens ist es bei dem Goldankaufunternehmen üblich, dass die Ware sofort eingeschmolzen wird. "Das konnte ich ja nicht wissen, ich dachte, das funktioniert so wie bei einem Pfandleihhaus", sagte die Angeklagte.

Bei genauerem Hinsehen wurde allerdings auch deutlich, dass die Frau unter einer Vielzahl von physischen und psychischen Problemen leidet. Sie ist ernsthaft erkrankt, allein die Verlesung ihres Medikamentenplans nahm ungewöhnlich lange Zeit in Anspruch. Auch psychisch ist die Frau aufgrund jahrelanger familiärer Schwierigkeiten beeinträchtigt. Von Depressionen war die Rede, auch von einem Suizidversuch. Bei einem Psychotherapeuten ist sie seit geraumer Zeit in Behandlung, eine stationäre Therapie wegen der festgestellten Spielsucht hatte sie in Aussicht. Auch die Verhandlung musste mehrfach unterbrochen werden, nachdem der Angeklagte dermaßen schlecht wurde, dass sie sich übergeben musste.

Mehrfach vorbestraft

Auf der anderen Seite ist die Frau bereits mehrfach vorbestraft und zwar immer wieder wegen Diebstahls. In einem Gutachten wurden der Angeklagten zwar Impulskontrollstörungen diagnostiziert, eine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit liege allerdings nicht vor.

Mit drei Jahren hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sogar eine noch höhere Strafe beantragt. Besonders der hohe Entwendungsschaden, die Rückfallgeschwindigkeit, die vielen Vorstrafen und die offene Bewährung ließen keine Bewährungsstrafe mehr zu.

Verteidiger Ralph Pittroff sah dies anders. Er plädierte auf zwei Jahre mit Bewährung. Man müsse der Angeklagten die Chance geben, ihre Glücksspielsucht behandeln zu lassen, sagte der Anwalt.

Das Schöffengericht war nach längerer Beratung anderer Meinung. Der Angeklagten hätten bisherige Strafen nicht als Warnung gedient. Die Richterin sah den Justizvollzug sogar als Chance dafür an, dass die Frau aus ihrem Elend herausgerissen wird und sich neu besinnen kann.