Welche Städte gehen unter, wenn der Meeresspiegel weiter steigt? Was bedeuten Lebensmittelsiegel? Und welche Gegenstände enthalten eigentlich Erdöl? Diesen und vielen weiteren Fragen können Klassen ab der 5. Jahrgangsstufe in einem bundesweiten Wettbewerb spielerisch auf den Grund gehen.

Lehrer können ihre Klassen für das neue Schuljahr kostenlos auf der Homepage der Bildungsinitiative Weltfairsteher www.weltfairsteher.de anmelden und erhalten anschließend einen Account und vielfältige kostenlose Unterrichtsmaterialien zu unterschiedlichen Themen nachhaltiger Entwicklung. Bei Bedarf werden sie beraten, welche Inhalte besonders gut zu ihrer Schulart, der Jahrgangsstufe und dem jeweiligen Lehrplan passen. Dann kann es schon losgehen: Die Klasse bearbeitet "Challenges", also Aufgaben, für die sie Punkte und im Laufe des Schuljahres Etappenpreise erhält - und vielleicht zu Schuljahresende sogar einen zusätzlichen Preis für die beste Klasse im bundesweiten Vergleich.

Das Projekt geht in diesem Schuljahr bereits in die fünfte Runde. Konzipiert wurde es 2016 von sechs Studenten in Bamberg. Inzwischen ist die Bildungsinitiative Weltfairsteher, die zum Verein Change e. V. gehört und ihren Sitz in Bamberg hat, auf 15 ehrenamtliche Mitarbeiter angewachsen, darunter viele Lehramtsstudenten. "Unser Ziel ist es, Bildung für nachhaltige Entwicklung so in den Schulalltag zu integrieren, dass es Lehrern und Schülern Spaß macht", erzählt Aline Knobloch, Pressesprecherin von Weltfairsteher.

Das Team entwickelt zum einen Challenges mit Unterrichtsmaterialien, die interaktiv gestaltet sind, auf wissenschaftlichen Quellen beruhen, lehrplanbezogen und auf die UN-Nachhaltigkeitsziele ausgerichtet sind. Zum anderen betreuen die Mitarbeiter die teilnehmenden Lehrkräfte, Schulen und Schulklassen. Beratung per E-Mail oder via Zoom ist ebenso möglich wie eine Fortbildung der Lehrkräfte online oder vor Ort. Die Evaluation geschieht durch die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Universität Bamberg.

Konzept geht auf

Wie gut das Konzept aufgeht, zeigt die Entwicklung in den letzten Jahren. Während 2016/17 acht Schulklassen teilgenommen haben, waren es im Schuljahr 2019/20 bereits 50 Klassen, darunter sechs Klassen aus der Region Bamberg. Zwischenzeitlich wurde das Projekt auch ausgezeichnet: 2018 hat Weltfairsteher den Starterpreis der Studienstiftung des deutschen Volkes erhalten und seit 2019 wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Auf Corona-Beschränkungen im vergangenen Schuljahr konnte Weltfairsteher gut reagieren. "Eine Stärke des Projekts ist, dass sich die Materialien für Präsenzunterricht, Fernunterricht und Home Schooling eignen", erklärt Knobloch. Lehrkräfte wurden von Mitarbeitern darüber informiert, welche Themen für den Fernunterricht besonders gut geeignet sind und wie sie sich umsetzen lassen. Somit können die Challenges auch im neuen Schuljahr flexibel an die jeweiligen Corona-Regeln und Schutzmaßnahmen angepasst werden. Welche Challenges in welcher Reihenfolge absolviert werden, steht den Klassen offen. Besonders beliebt sei beispielsweise die Aufgabe, ein eigenes Wasserrad zu bauen, berichtet Aline Knobloch.

In Theorie und Praxis

Die Challenge besteht aus einem Theorieteil mit anschaulichen Animationen verschiedener Wasserradkonzepte und einer Erklärung, wie kinetische Energie in elektrische Energie umgewandelt wird. Im Praxisteil bauen die Schüler dann ein Wasserrad aus nachwachsenden Materialien, das am Wasserhahn oder in einem Bach getestet werden kann.

Durch das Bearbeiten solcher Challenges sollen die Schüler spielerisch zum Nachdenken und Handeln angeregt werden - und langfristig lernen, wie sich ein nachhaltiger Lebensstil umsetzen lässt.