"Der Sozialstaat lebt vom wertvollen Engagement der vielen tausenden Ehrenamtlichen in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Selbsthilfegruppen, in der Flüchtlingshilfe sowie in den politischen Parteien", betonte die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtages, Inge Aures (SPD), in ihrer Ansprache. Eine Reihe solcher Engagierter, die das soziale Miteinander unserer Heimat maßgeblich mit prägen, lud die SPD-Landtagsfraktion als Zeichen ihrer Wertschätzung zu einem Dankeschön-Nachmittag ins Kronacher Gasthaus "s'Antla" ein.
Gekommen waren Ehren- und Hauptamtliche aus den verschiedensten Gruppierungen, Vereinen, Institutionen und Verbänden wie auch Mandatsträger des politischen Lebens. "Menschen jeglichen Alters haben ein Anrecht auf beste Lebensbedingungen und gesellschaftliche Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung", appellierte der Hofer SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Adelt. Die Anwesenden ermöglichten älteren Menschen eine solche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, wenn ihnen dies aufgrund ihrer Lebensumstände selbst nicht mehr ohne Weiteres möglich sei. "Sie alle hier sind Lobbyisten im positiven Sinne, denn sie geben denjenigen eine Stimme, die nicht selbst in dem Maße für ihre Belange kämpfen können", würdigte er.


Was der Staat nicht leisten kann

Dem schloss sich SPD-Kreisvorsitzender Ralf Pohl in seinem Grußwort an. "Der Staat kann im sozialen Bereich nicht alles leisten", zeigte er sich überzeugt. Erfreulicherweise würden wir immer älter und die Lebenserwartung steige. Damit nehme aber auch die Pflegebedürftigkeit zu. Ohne den Einsatz für ältere Menschen werde man damit nicht zurechtkommen. In einem flammenden Plädoyer machte Aures die Bedeutung des Ehrenamts für unsere Gesellschaft deutlich. Nach den Ergebnissen des Freiwilligen-Surveys Bayern aus dem Jahr 2014 sind im Freistaat 5,2 Millionen Menschen bürgerschaftlich engagiert. Dies entspricht 47 Prozent der Bevölkerung. 2009 waren noch etwa 36 Prozent der Menschen in Bayern ehrenamtlich engagiert. Eine Steigerung von elf Prozent.
Einen sehr großen Stellenwert in Bayern hätten die Freiwilligen Feuerwehren - mit derzeit 7674 Freiwilligen Wehren mit 319 431 Feuerwehrdienstleistenden. Obwohl der Freistaat stets ein Lied auf das Ehrenamt singe, komme er seinen Verpflichtungen nicht nach - gerade auch in diesem Bereich. Pflicht des Bundes sei es, die zweckgebundene, dem Brandschutz zugutekommende, Feuerschutzsteuer auf die Bundesländer aufzuteilen. Früher habe es für die Feuerwehr 70 Prozent Zuschüsse vom Staat gegeben, nunmehr seien es noch 30 Prozent. "Das hat sich jetzt umgekehrt", erboste sie sich. Ehrenamtliche müssten so unter Einschnitten leiden, während beispielsweise Milliarden für die Rettung der Bayerischen Landesbank verscherbelt werden.


"Noch ein riesiges Stück entfernt"

In vielen Bereichen gebe es große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Das Bruttoinlandsprodukt beispielsweise betrug 2014 je Einwohner in Oberbayern 51 530 Euro, in Oberfranken dagegen lediglich 32 823 Euro. In Bayern liegt es im Durchschnitt bei 41 646 Euro. Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Bayern sei man daher noch ein riesiges Stück entfernt. "Wir sind genauso wertvoll wie die Menschen in den Metropol-Regionen und wir wollen die gleichen Lebensbedingungen", appellierte sie an die Anwesenden, auf den Putz zu hauen.
Ungefähr 1,6 Millionen Menschen seien im Freistaat armutsgefährdet. "Das ist in einem so reichen Land wie Bayern ein Skandal", prangerte sie an. Hierzu zählten Bevölkerungsgruppen wie Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund, schlecht oder nicht Ausgebildete, Langzeitarbeitslose und Rentnerinnen. Genau diese Bevölkerungsgruppen treffe die Privatisierungs-Politik im Bereich Gesundheit und Pflege - was bei der Frankenwaldklinik gut zu beobachten sei. Sie sei sehr gespannt, wie es mit der Klinik weitergehe. hs