Das Thema "Phishing" ist nicht neu. Schon seit Jahren versenden Betrüger massenweise gefälschte E-Mails im Namen großer und namhafter Unternehmen oder Kreditinstitute, in denen Sie um sensible Daten bitten oder über eingebettete Links Schadprogramme auf den Rechnern der Empfänger hinterlegen. Sei es, weil angeblich eine Rechnung nicht bezahlt, ein "Sicherheitsupdate" erforderlich wäre oder das Girokonto gesperrt wurde. Manche Täter schrecken nicht einmal davor zurück, für ihre Ziele zum Telefon zu greifen. Martin Rebhan, Geldwäsche- und Compliancebeauftragter bei der Sparkasse Coburg - Lichtenfels erklärt, worauf Kunden achten müssen und was sie tun können, wenn Sie doch mal in die Falle getappt sind.

Wie häufig sind diese Telefonanrufe und wie gehen die Täter vor?

Martin Rebhan: Es passiert nicht besonders häufig, weil die Masche für die Täter sehr aufwendig ist. Aber immer wieder geben sich Betrüger am Telefon als Sparkassen-Mitarbeiter oder Polizeibeamte aus und versuchen, Passwörter, Zugangsdaten oder Transaktionsnummern (TANs) für das Online-Banking zu ergaunern. Dabei erzeugen sie Zeitdruck und geben vor, man müsse jetzt schnell handeln, weil sonst beispielsweise ein großer Geldbetrag verloren ginge. Dabei sind sie es selbst, die mit den geklauten Daten letztendlich Überweisungen ausführen - vorzugsweise ins Ausland. Die Anrufer sind sehr gut ausgebildet und redegewandt. Prüfen Sie also immer, wenn Sie eine TAN erhalten, ob Sie diese wirklich selbst angefordert haben, weil Sie zum Beispiel gerade eine Überweisung durchführen wollen, und ob der angezeigte Inhalt auch Ihrem Auftrag entspricht.

Woran merke ich, dass ich nicht meine Sparkasse am Telefon habe?

Sparkassen-Mitarbeiter würden Sie niemals am Telefon nach so sensiblen Daten wie Onlinebanking-Zugangsdaten, Passwörter oder TANs fragen - nicht mal im Notfall und schon gar nicht außerhalb der Öffnungszeiten. Auch sonst gibt es für niemanden einen legitimen Grund, von Ihnen diese vertraulichen Daten zu verlangen. Deswegen lautet der beste Tipp, wenn Sie Zweifel an der Echtheit des Anrufers haben: Beenden Sie das Gespräch, rufen Sie uns unter der Ihnen bekannten Nummer zurück und fragen Sie nach, ob es tatsächlich ein Problem gibt. Seien Sie ruhig skeptisch, das ist völlig in Ordnung. Das gilt übrigens auch dann, wenn die Rufnummer, die Sie im Display sehen, tatsächlich unsere ist: Diese Anzeige kann recht leicht manipuliert werden.

Kann nicht tatsächlich ein Problem mit meinem Konto vorliegen?

Wenn es Unregelmäßigkeiten gibt, werden Sie kontaktiert - aber ohne, dass dabei sensible Daten abgefragt werden.

Wieso kommt es gerade jetzt vermehrt zu dieser Art von Betrug?

Die Corona-Pandemie ist für die Täter der perfekte Vorwand. Sie müssen nicht viel erklären. In den vergangenen Monaten haben viele Unternehmen ihre Kommunikation per E-Mail oder Telefon verstärkt - deswegen ist man derzeit als Kunde eher dazu geneigt, auch zu glauben, was die Betrüger da von einem verlangen.

Welchen Rat können Sie Kunden geben, die glauben, in eine Falle getappt zu sein?

Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren. Wenden Sie sich an uns, schildern Sie möglichst genau, was passiert ist und welche Daten Sie herausgegeben haben. Die Beraterinnen und Berater werden dann umgehend Erste Hilfe leisten und beispielsweise das Online-Banking sperren oder einen Überweisungsrückruf beauftragen. Sinnvoll ist es auch, bei der Polizei Anzeige zu erstatten - es handelt sich hierbei ganz klar um eine Straftat. Sie können sich sicher sein, dass wir Sie bei allem, was zu tun ist, unterstützen werden. red