von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Er kann auch mal laut werden. Das ist Teil des Führungsstils, den Frank Ziegler als Regisseur pflegt und von dem Lila-Mitbegründerin Daniela Günther sagt, er zeige Durchsetzungsfähigkeit und klare Benennung eines Sachverhalts. Vor wenig mehr als einem Jahr gründete sich die Lila (Lichtenfelser Laienspielgruppe), jetzt steht sie nur noch wenige Proben von ihrem ersten Ziel entfernt: Aufführungswochenende vom 13. bis 15. November im Schützenhaus.
Oktober 2014: Eine Frau schleudert im Krabbeln Sitzkissen von Stühlen, dieselbe Frau, die später versuchen wird, an einer Gardine hochzuklettern. Andere gehen Tiere imitierend oder grimassierend im Kreis. Die ersten Beisammensein im Myconiushaus dienen der Lockerung, sind Improvisationsübungen und Teil einer Theaterpädagogik. Der das abverlangt, scheint die Mitstreiter auf null schalten zu wollen, scheint zu beabsichtigen, sie aus ihrer Würde, ihrem Komfort oder ihren Ansichten zu holen.
Frank Ziegler kennt sich mit manchen Theaterkniffs und Schauspielgrundlagen aus. Geboren in Kassel und einstiges Mitglied des dortigen Staatstheaters und zu sehen in TV-Werbespots, lebt der Mann seit rund zwei Jahren in der Korbstadt. Die Lust am Theater hat er darum nicht aufgegeben.


In der Kuki beheimatet

In Daniela Günther fand er eine Mitstreiterin, gemeinsam riefen sie Lila ins Leben und ein halbes Jahr später wurde Lila Sparte der Lichtenfelser Kuki (Kunst und Kultur Initiative). 29. September: Termin in einem Lichtenfelser Möbelhaus. Es konnte von Ziegler als Sponsor gewonnen werden, heute wird es Kulisse für das Foto-Shooting zum Theaterstück "Pleite, Pech und Panne" sein. Auch Teile der Bühnenkulisse für die Aufführungen im Schützenhaus will es beisteuern. Entgegenkommen wird der Truppe auch im Oktober widerfahren, denn Ziegler kommt zu Ohren, dass der Chef eines Handwerksbetriebes Rollen an weißem Tuch erübrigen kann. Sie eignen sich zum Kulissenbau und das Ensemble hilft zusammen: abholen, einlagern, Bühnenbild aufmalen. Schon zuvor erbrachte die gesuchte Nähe zu einem Lichtenfelser Unternehmen einen Rollstuhl als Requisite ein. Ein Stöbern in einem Second-Hand-Laden erbrachte auch einen kleinen Fundus an Klamotten. Ein richtiger Theaterfundus existiert (noch?) nicht - "so etwas wächst von Aufführung zu Aufführung", erklärt Ziegler. Zudem fehle dafür Lagerplatz.
Sabine Rohloff gehört zum Ensemble. Auf der Bühne stehen wird die Bad Staffelsteinerin nicht, denn sie ist hinter den Kulissen an Köpfen zugange. Dafür übt sie das Theaterschminken, das Verjüngen und Altern von Gesichtern. Während sie Ingeborg Hartmann um 40 Jahre in die Zukunft versetzt, machen sich Birgit Sauerschell und Bettina Arnold Notizen. Sie sitzen wenige Meter von der Bühne des Schützenhauses entfernt, wo gerade eine junge Frau zur Furie wird. Ihre Wut ist jederzeit abrufbar und von Probe zu Probe überzeugend gespielt.
Anteil daran könnten die Methoden des von Ziegler geschätzten Lee Strasberg haben, einer mittlerweile verstorbenen Schauspielerlegende (Der Pate II), der das Method Acting pflegte. Einen Kern dieser Methode verdeutlicht Ziegler so: "Dass du jede deiner Emotionen in jeder deiner Zellen gespeichert hast, das macht das Abrufen leichter."
Zugang zu Rolle, Text und Zellen - das heute zwölfköpfige Ensemble lernte darüber viel in Kallmünz bei Regensburg, anlässlich eines vor Wochen in Klausur begangenen Theaterprobenwochenendes. "Da gab es nicht einmal Handy-Empfang", schwärmt Ziegler noch im Nachhinein. Das Wochenende habe zusammengeschweißt.
Noch herrscht kein Lampenfieber, noch ist die Aufführung genügend Tage entfernt. Die Proben häufen sich, die Generalprobe steht bevor, Texte werden durchgegangen. Die Methoden dafür können sehr unterschiedlich ausfallen. Daniela Günther sei eher der Typ des "sturen Auswendiglernens", ihre Laienschauspielkollegin Jutta Westphal geht beim Lernen in Gedanken die Laufwege durch. Ziegler, der nicht mitspielt, sprach auch die Empfehlung aus, Texte auf Tonträger aufzunehmen und sich diese immer wieder hörbar abzuspielen. Aber nicht nur die eigenen Texte, sondern auch die ersten und letzten Sätze derer, die vorher und nachher dran sind. Der reibungslosen Übergänge wegen.
Noch wenige Tage, dann geht der Vorhang auf. Aber damit rückt auch das Ende des ersten Projekts und der wohligen Anspannung näher. Was wird am Tag nach der letzten Aufführung sein? "Ich falle in ein Loch, ich weiß das", glaubt Daniela Günther. Jutta Westphal hat einen anderen Verdacht. "An dem Abend, könnte ich mir vorstellen, findet unsere beste Vorstellung statt."