Seit der Gründung ihrer Galerie 1994 zeigt Dietlinde Schunk-Assenmacher aktuelle Gegenwartskunst. Sie begleitet einen Stamm von Künstlern, vermittelt diese weiter an befreundete Kunstvereine und Sammler. Und es gehört auch zum Konzept der Galerie, diese Künstler in ihrer Entwicklung zu begleiten und mehrmals auszustellen. Mit der neuen Ausstellung "Figura - Begegnung zwischen Maler und Bildhauer" treten Arbeiten des Bildhauers Franz Weidinger in Dialog mit Aquarellen und Grafiken des 2004 verstorbenen Malers Oskar Koller. In jenem Jahr war eine gemeinsame Ausstellung geplant, doch Oskar Koller verstarb unerwartet, und das Projekt konnte somit nicht mehr realisiert werden. Um so spannender ist nun die Begegnung beider Künstler mit ihren Arbeiten in der Bamberger Galerie Kunst im Gang.
Der 1966 in Neumarkt geborene Franz Weidinger bevorzugt für seine Arbeiten Hartholz, heimische Obstgehölze und, wie auch bei seiner jüngsten Werkgruppe "Offener Raum", Eiche. Alle Teile werden aus dem Block
herausgearbeitet, so dass die organische Einheit des Holzes erhalten bleibt. Trotz ihrer geringen Größe wirken Weidingers Figuren niemals klein. Im Gegenteil, je eingehender man sich mit ihnen beschäftigt, umso größer und variantenreicher erscheinen sie. Weidinger greift mit der menschlichen Figur ein Thema auf, das seit der Antike unter unterschiedlichsten Vorzeichen bearbeitet wurde.


Nachdrückliche Präsenz

In seinen neuen Arbeiten setzt er Figuren und Architekturandeutungen in Beziehung zueinander. Seine Entscheidung, sich auf dieses Thema zu konzentrieren, beeinflusst auch den klassischen Arbeitsprozess mit dem Modell, sowie die spannungsreiche, ausgewogene Verteilung von Massen und Proportionen. Das verleiht seinen bildhauerischen sowie zeichnerischen Vorarbeiten eine stille, nachdrückliche Präsenz.
Der Maler und Grafiker Oskar Koller wurde am 16. Oktober 1925 in Erlangen geboren, wo er auf Umwegen zur Kunst fand. Zu seinen bevorzugten Motiven gehörten Blumen, Bäume und besonders Menschen. Mit seinen Grafiken und Aquarellen wurde Oskar Koller bald in ganz Deutschland und auch im Ausland bekannt und beachtet. Seine Kunst lag in der Leichtigkeit, mit der er mit dem Pinsel und der Farbe umging. Er setzte sie immer sparsam ein, um dem Betrachter Raum für eigene Assoziationen zu lassen.
Mit zunehmendem Alter wurden seine Bilder noch reduzierter, abstrakter. Koller: "Die Begegnung mit der Natur und den Menschen, der Glaube an verborgene Kräfte, die Sehnsucht und Hinwendung zu einer geistigen Wirklichkeit, der Versuch, diese Kräfte und Energien sichtbar zu machen, sind wesentliche Impulse, die meine Arbeit bestimmen".
Die Ausstellung zeigt Aquarelle und Grafiken Oskar Kollers aus der Sammlung der Galerie Kunst im Gang zum Thema Figur und einen Überblick über das bildhauerische Werk Franz Weidingers. red