"Die fränkische Fahne ist rotweiß, die bayerische blauweiß und die französische?", knüpfte Pfarrer Birkel in bester Laune eine Verbindung zwischen Frankreich und Franken. Die Antwort kam zeitlich verzögert, mussten die Zuhörer doch erst auf die Übersetzung der Dolmetscherin warten. Dann Lachen, Applaus und ein Schwenken der französichen Tricolore. Selten war die Pfarrkirche St. Kilian so gefüllt: Teens und Twens saßen eng aneinandergedrängt in den Bankreihen, auf den Altarstufen und dem Boden, Rollstühle reihten sich im Mittelgang aneinander, ein Dutzend Geistlicher und eine große Schar von Ministranten stand vor dem Hochaltar.
Eine mitreißend fröhliche Stimmung herrschte beim Abschlussgottesdienst der Weltjugendtagsteilnehmer aus Paris, den sie auf ihrer Rückreise aus Polen in Bad Staffelstein feierten. "Es ist ein wunderschöner Ort, euer Bad Staffelstein. Wir sind glücklich, dass wir hier unseren Gottesdienst feiern dürfen, auch wenn die geplante Bühne im Kurparksee buchstäblich ins Wasser gefallen ist. Der Wettergott hatte wohl woanders zu tun", erzählte Juliette Darbo is aus Paris, die Teil des Organisationsteams ist. "Die Deutschen sind super gastfreundlich und unterstützten uns sofort mit einer Unterkunft. Wir haben in der Stadthalle Lichtenfels übernachtet und sind total happy mit unserer bisherigen Reise." Auch der 18-jährige Jean war begeistert: "Die Tour zum Weltjugendtag hat uns alle bereichert. Wir sind im Glauben gefestigt, haben vieles gemeinsam erlebt und neue Glaubensfreundschaften gefunden. Wir wollen der ganzen Welt zeigen, wie schön Glaube in der Gemeinschaft sein kann."
Ursprünglich sollte das Fest auf der Seebühne im Kurpark stattfinden, der Regen erforderte eine kurzfristige Umplanung. Und so erklangen im Zentrum der Altstadt Hunderte von Stimmen und sangen immer wieder "Heureux les miséricordieux, qui sont dans l'amour. Car ils obtiendront miséricorde" - "Selig die Barmherzigen, die in der Liebe sind. Denn sie werden Erbarmen finden", so lautete der ansteckende Refrain des Mottoliedes vom Weltjugendtag. Die Worte zitieren die fünfte Seligpreisung aus der Bergpredigt aus dem Evangelium nach Matthäus. Die jungen Pilger sprachen von ihrer Leidenschaft für soziale Gerechtigkeit. Und sie zeigten sie auch. Liebevoll kümmerten sich alle um die vielen in ihren Rollstühlen, hielten ihnen die Hand, strichen freundlich über die Haare. Machten Späße, ließen sie ganz einfach teilhaben, als feste Glieder in der Kette des Glaubens integriert.


Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe

Über ein Dutzend Rollstuhlfahrer saß in den ersten Reihen der Pfarrkirche St. Kilian und lauschte den Worten der französischen Geistlichen und Jugendlichen. Bei der Eucharistie legte ihnen der Priester die Hostie in den Mund. Darauf folgte eine herzliche Umarmung. Auch der traditionelle Handschlag beim "Friede sei mit Dir" war den Franzosen viel zu distanziert. Freudiges Lachen, nette Worte und Küsschen füllten das steinerne Kirchengewölbe mit Wärme und Liebe. Spätestens hier bemerkte man Unterschiede fränkischer und französischer Mentalität: Es wurde geherzt, gebusselt und an den Händen genommen, wo es nur ging. Als Pfarrer Birkel vom französischen Priester noch ein Buch über Paris als Gastgeschenk überreicht bekam, wurde er schmunzelnd vorgewarnt "Don't scare!" - "Nicht erschrecken, bitte!" und erntete lautes Lachen. Denn bei Geistlichen werden die Köpfe zweimal seitlich aneinandergelegt. Küsschen rechts, Küsschen links überlassen sie den jungen Leuten. Einen Tag zuvor feierten sie einen großen Gottesdienst in der Basilika Vierzehnheiligen, deren Pracht sie beeindruckte.