"Wissen Sie, ob das Profi-Musiker sind?", fragte ein Besucher im letzten Drittel des Programms das Flöten-Ensemble meinend, einen neben ihm Sitzenden. Dieser bedeutete ihm eine Verneinung. Jetzt zeigte sich der Fragesteller erst recht verblüfft. Das war nur eine Szene bei der "Bad Staffelsteiner Nachtmusik" in der evangelischen Dreieinigkeitskirche am Mittwochabend.
Con flauti e organo - mit Blockflöten und Orgel also, so der Name des spätabendlichen Musikprogramms, getragen durch das Blockflötenensemble des Evangelischen Bildungswerks und Kirchenmusikdirektor Klaus Bormann. Doch was die rund 80 Besucher des Abends erlebten, bezog seine Stimmung auch aus der Ausleuchtung des Raumes. Unter dezentem Lichterschein wurden Spätrenaissance, Barock, Romantik und Moderne hörbar, während die Nacht hereinbrach.
Nicht im Zusammengehen der Stimmen aus Flöten und Orgel, "denn dafür sind sie sich doch zu ähnlich", wie Bormann vor dem Konzert bemerken sollte. Doch zwischen den Werken von Josquin des Prés (1440 bis 1521) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) sollte jede Stimmengattung reichlich Gelegenheit zur Auszeichnung erfahren. So erlebten die Musikfreunde beispielsweise ein Canzone Girolamo Frescobaldis (1583 bis 1643), bei dem das Durchreichen des Themas hin zum Kanon, vom Blockflötenensemble um Leiterin Dorothea Lintzmeyer besonders eindrucksvoll gelang.
Eindrucksvoll war aber auch die Besetzungsvielfalt aus Sopran-, Alt-, Großbass- und Subbassflöte. Besonders letzteres Instrument, gespielt von Tanja Edner, stach durch seine ungewöhnliche und im landläufigen Sinne kaum flötenähnliche Bauweise hervor. Immer wieder, der Besetzung der für Flöten umarrangierten Werke aus sechs Jahrhunderten folgend, hatte sich das seit 20 Jahren existierende Ensemble umzugruppieren. Ein wenig Infotainment war auch dabei, so wie die von Doris Lintzmeyer ausgesprochene Hintergrundinformation, wonach Josquin des Prés Martin Luthers Lieblingskomponist gewesen sei.
Einen philosophischen Einstieg zum Programm wählte Martin Bormann, der an diesem Abend die Begrüßung vornahm. Auch er hat es als Orgelspieler im Grunde mit dem Prinzip Flöte zu tun. Vom Rattenfänger zu Hameln bis hin zur Bedeutung der Flöte in Begebenheiten des Alten Testaments spannte Bormann einen Bogen über das Ansehen des Instruments.