Burgkunstadt — "Ziel" ist ein gängiger Begriff, doch was versteht man darunter konkret? "Ein in der Zukunft liegender, gegenüber dem Gegenwärtigen im Allgemeinen veränderter, erstrebenswerter und angestrebter Zustand", heißt es dazu umständlich formuliert bei Wikipedia. Menschen jeden Alters setzen sich im Rahmen ihrer Lebensplanung und -gestaltung immer wieder Ziele. Besonders wichtig sind derartige Überlegungen aber für Jugendliche, die nach dem Schulabschluss in das Berufsleben starten.

Zielfindung und Zielsetzung

Mit einem von Experten gestalteten Projekttag zum Thema "Zielfindung" versuchte die Friedrich-Baur-Mittelschule Burgkunstadt jetzt, ihren Neuntklässlern Hilfen sowohl für den Beruf wie auch ihren gesamten Lebensweg zu vermitteln. "Ein Berufsberater kommt zwar regelmäßig in unsere Schule, aber auch der gelangt schnell an seine Grenzen, wenn ein Schüler so gar keinen Plan hat", erklärt Katharina Harenberg. Für die Diplom-Sozialpädagogin, die an der Friedrich-Baur-Mittelschule als Jugendsozialarbeiterin tätig ist, war dies mit ein Grund, diesen Projekttag zu organisieren. Finanziell gefördert wurde die Aktion von der gemeinnützigen Koinor-Horst-Müller-Stiftung in Michelau, zu deren Zielsetzungen auch die Unterstützung von Jugendprojekten gehört. Über sechs Schulstunden hinweg versuchten Andrea Zellmer und Siegfried Simon, den Neuntklässlern klarzumachen, dass Zielfindung und Zielsetzung einer intensiven Vorbereitung bedürfen. Beide sind Diplom-Sozialpädagogen; Andrea Zellmer engagiert sich obendrein als Anti-Aggressions-Trainerin. "Wer gar nicht weiß, in welche Richtung sein beruflicher Lebensweg gehen soll, überlegt sich am besten zuerst: Wo bin ich gut, was macht mir Spaß und was liegt mir überhaupt nicht?", empfahlen die Referenten. Die Schüler machten sich daraufhin Gedanken über ihre Stärken und Schwächen.
Während die einen sich als kontaktfreudig, dynamisch, teamfähig, tolerant und spontan bezeichneten, bemängelten andere Eigenschaften wie Sturheit, Oberflächlichkeit, Ungeduld und schüchternes beziehungsweise vorlautes Wesen. "Ziele sollten attraktiv und realistisch, also unter eigener Kontrolle erreichbar sein. Und sie sollten zusammenpassen", erläuterte Siegfried Simon. "Mit anderen Worten: Ihr müsst konkret wissen, was eure Ziele sind, und wie sie beschaffen sein sollen." Dem Sozialpädagogen zufolge sind Ziele von der Findung bis zur Verwirklichung immer mit starken Emotionen verbunden: "Um sein Ziel zu erreichen, muss man sich etwas zutrauen und hemmende Gefühle überwinden. Damit zeigt ihr, dass euch euer Ziel etwas wert ist."
Ein schlechter Ratgeber ist den beiden Referenten zufolge die Angst: "Wer sich von ihr beherrschen lässt, wird im Leben nicht weit kommen." Um Emotionen ging es auch im praktischen Teil. Beim "Trustfall" (Vertrauensfall) konnten die Jugendlichen zeigen, ob sie sich etwas zutrauen, ob sie ihren Mitschülern vertrauen und welche Rolle Angst dabei spielt. Ein Schüler stieg dazu auf einen Tisch, während seine Klassenkameraden ihre Arme zu einem Netz verknüpften.
Nach mentaler Vorbereitung durch Andrea Zellmer ließ er sich nach hinten fallen im Vertrauen darauf, dass ihn seine Mitschüler auffangen. "Dieser Trustfall kostet Überwindung, und die Frage nach dem Vertrauen in andere erhält eine neue Gewichtung", betont die Anti-Aggressions-Trainerin. Die meisten Schüler machten beim "Vertrauensfall" mit. Allerdings nicht alle, wie die Sozialpädagogen gehofft hatten. In der Schlussrunde schilderten die Neuntklässler ihre Eindrücke von dem Projekttag, der durchwegs als positiv empfunden wurde. Bernd Kleinert