Stephan Herbert Fuchs Systemkritischen Einstellungen zur Marktwirtschaft mit überzeugenden und belastbaren Argumenten entgegenzutreten, dazu hat Professor Karl Homann, bis zum Jahr 2008 Inhaber des Lehrstuhls Philosophie und Ökonomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die oberfränkischen Unternehmer aufgerufen. "Die Beteiligung der Wirtschaftselite am öffentlichen Diskurs ist unverzichtbar", sagte Homann beim Arbeitgeberforum Oberfranken der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Neudrossenfeld. Die Unternehmer rief er auf: "Wappnen sie sich mit guten Argumenten."

"Trotz bester Performance" würden die Anhänger der sozialen Marktwirtschaft immer wieder in die Defensive geraten. "Das war schon immer so", sagte Homann. Nur wenige würden in der Marktwirtschaft das Pferd sehen, dass den Karen zieht, zitierte er Winston Churchill.

Die Kritik ziele dabei nicht nur auf die Unternehmer selbst, sondern auch auf den Markt und das politische System. Die Kritik sei in der Regel geprägt von Ressentiments, und in Zeiten von sozialen Medien gelte die Regel: "Je steiler die Thesen, desto mehr Aufmerksamkeit ist dem Kritiker gewiss." Wer beispielsweise die Verstaatlichung von BMW fordere, der könne sich einer riesigen medialen Präsenz gewiss sein.

Verlierer wird es immer geben

Allen Kritikern schrieb Homann ins Stammbuch, dass das System des Wettbewerbs einen nie gekannten Wohlstand ermöglicht habe. Verlierer werde es immer geben, das sei die Logik des Wettbewerbs. Trotzdem habe er entscheidend zur Förderung des allgemeinen Lebensniveaus beigetragen.

Allerdings erteilte der Philosophieprofessor einem schrankenlosen Wettbewerb eine klare Absage. Ähnlich wie im Fußball müsse auch die Marktwirtschaft auf Regeln setzen. Der Wettbewerb selbst finde in den Spielzügen statt, nicht in den Spielregeln. Schiedsrichter seien das Kartellamt und die Justiz.

Zur Kritik am politischen System und der Globalisierung bedauerte Professor Homann, dass eine globale Ordnung fehle. Wer allerdings glaube, dass die Globalisierung ein stückweit rückgängig machen könne wie etwa Großbritannien mit dem Brexit oder in den USA mit der Parole "America first", der befinde sich in der Sackgasse.

Rahmenordnung wichtig

Solche Versuche dienten nur dem Machterhalt. Stattdessen sollten die Verantwortlichen daran arbeiten, eine Rahmenordnung zu geben.

Zuvor hatte sich vbw-Bezirksgeschäftsführer Patrick Püttner klar zu den Grundprinzipien der sozialen Marktwirtschaft bekannt. "Unsere Gesellschaft verdankt der Marktwirtschaft Wohlstand und ein hohes Maß an sozialer Sicherheit", sagte er. Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft beruhe dabei auf Freiheit und Verantwortung: Freiheit für ein dynamisches Marktgeschehen, das die besten Ideen belohnt, und Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften.

Der Staat sollte dabei Schiedsrichter sein, aber kein Mitspieler, so Püttner. Politisch gehe es trotz riesiger Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, internationalen Handelskonflikte, Strukturwandel oder Digitalisierung derzeit eher in Richtung Gängelung und Ausweitung der sozialen Wohltaten, beklagte Püttner. Von den Prinzipien Freiheit und Verantwortung sei man dagegen mehr und mehr abgerückt.