von unserem Mitarbeiter Wolfgang Ortloff

Zeil — 140-jähriges Bestehen feierte die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Zeil, und die Mitglieder trafen sich zum Auftakt am Gefallenen- und Vermissten-Denkmal am Kreuzfriedhof. Eine Ehrenwache hatte Fackeln tragend Aufstellung genommen.
Altbürgermeister Christoph Winkler, selbst Mitglied, erinnerte an die Gründung des "Veteranen und Kampfgenossenvereins Zeil" 1874, entstanden aus den Erlebnissen des Krieges gegen Frankreich. Er sprach den Ersten und den Zweiten Weltkrieg sowie die Teilung Deutschlands an - daraus erwachse eine stete Herausforderung für jeden Einzelnen.

Demokratie als Verpflichtung

Man sage: Der ärgste Feind des Friedens sei das Vergessen. Deshalb solle man wachsam sein und seinen Dienst in die demokratische Grundordnung stellen. Dies sei man den Vorvätern schuldig, die nicht die Freiheit eines demokratischen Pluralismus genießen konnten. Stadtpfarrer Michael Erhart meinte, man habe den Jubiläumstag gar nicht besser legen können, denn "heute vor 75 Jahren, also 1939, habe ein Georg Elser mit einem Bombenattentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller den Zweiten Weltkrieg verhindern wollen." Die Umstände ließen es misslingen. Auch der Fall der Mauer in Berlin vor 25 Jahren als letztes Relikt des Kalten Krieges passe zum Jubiläumsgedenktag. Erhart sprach Gebete für die Verstorbenen und Vermissten der Kriege sowie für diejenigen, die den Mut der Gegenwehr aufbrachten.

Geschichtsrückblick bei Kommers

Beim Kommersabend freute sich Vorsitzender Heinz Vogel, dass neben Bürgermeister Thomas Stadelmann etliche Zeiler Verantwortliche das Jubiläum würdigten. Altbürgermeister Winkler warf einen Blick in die Geschichte. Als Antwort auf den Bayerisch-Preußischen Krieg 1866 und den Krieg mit Frankreich 1871 wurde am 7. Juni 1874 der Veteranen- und Kampfgenossenschaftsverein Zeil und Umgebung gegründet. Weil alle Zeiler 1871 wohlbehalten zurückkehrten, ließen sie die Madonna am Käppele vergolden. Die Aufnahme als Mitglied war streng mit dreijähriger Probezeit und einem reinen Leumund verbunden. Viel Interessantes schilderte Winkler, bis nach Umwandlungen die "Soldaten- und Reservistenkameradschaft" entstanden war. Grußworte sprachen Thomas Stadelmann, Pfarrer Hans-Christian Neiber und Stefan Wagenhäuser vom Volksbund Deutscher Kriegsgräber, bevor Erich Weidinger, Bezirksorganisationsleiter vom Verband der Reservisten, Gerhard Nöth und Harald Wolf für 25 Jahre Treue ehrte. Ehrungen durch den Bayerischen Soldatenbund (BSB) folgten: Die Treue-Nadel erhielten für 50 Jahre Karl Maier; für 45 Jahre Rainer Hertlein, 35 Jahre Gerhard Fritzmann, 25 Jahre Karl-Heinz Vogel und Walter Popp; für 20 Jahre Günter Schädler und Ewald Vogel. Das BSB-Verdienstkreuz Erster Klasse erhielten Ewald Göpfert, Franz Frank, Hubert Kuhn, Udo Schmidt; das Große Verdienstkreuz am Bande Wolfgang Weinmann, Günter Schädler, Christoph Winkler; das Ehrenkreuz ging an Matthias Seufert, das Reservistenverdienstkreuz in Silber an Herbert Schneider, in Gold an Ewald Vogel. Die Vereinsehrennadel in Silber erhielten Werner Bauer, Alex Jahn, Sven Bezold; in Gold Luise Nöth.