Höchstadt — Vor 30 Jahren kam die Welt nicht aus dem Staunen heraus: Die in zwei Weltkriegen eher als militärisch-kriegerisch bekannten Deutschen erreichen ohne Waffengewalt und friedlich eine politische Umwälzung, ihre Wiedervereinigung.

Durch den Mauerfall am 9. November 1989 und den dann schnell folgenden Grenzöffnungen mit Rücknahme des Schießbefehls kam es zu Wiedervereinigungsszenen, die wohl niemand mehr vergessen wird. Neben der faktischen Öffnung alter Verbindungsstraßen erfolgte am 3. Oktober 1990 auch juristisch die Beendigung der Teilung durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland mittels Volkskammerbeschluss.

Anders als am 17. Juni 1953, als sowjetische Truppen den Arbeiteraufstand in der DDR mit Waffengewalt und Todesopfern niederschlugen, blieben die 550 000 Soldaten 1989 auf Befehl des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow in den DDR-Kasernen.

In Höchstadt feierte man am 2. 0ktober 1990, dem Abend vor dem offiziellen Beitritt, die Wiedereinigung mit einem Gottesdienst in der Christuskirche. Bei den Fürbitten wurde auch der vielen Vertriebenen gedacht, die wohl wehmütig an ihre im Rahmen des von den Nazis angezettelten Krieges verlorene Heimat gedachten.

Eiche am Polizeikreisel gepflanzt

Die Junge Union, damals unter der Führung von Axel Rogner, organisierte eine öffentliche Veranstaltung am Polizeikreisel, wo man eine Eiche zur Erinnerung pflanzte. Er nannte den 3. Oktober einen Tag der Freude und Dankbarkeit. Demokratie und Marktwirtschaft haben im Wettbewerb der Systeme über den Sozialismus und Kommunismus gesiegt.

In Hemhofen gedachte der Gemeinderat der SED-Opfer. Dankesworte richtete man an die Brüder und Schwestern in der DDR und in der Bundesrepublik, die an der Einheit mitgewirkt hatten. Ebenso an die Völkergemeinschaft, die unterstützt hatte.

Gebrauchtwagen Mangelware

In Mühlhausen wurde an der Schule im Rahmen eines lebendigen Geschichtsunterrichts an der Schule neben der Hausmeisterwohnung eine Blutbuche gepflanzt. In einer feierlichen Veranstaltung, bei der auch der historische Weg zur Wiedervereinigung aufgezeigt wurde, sorgte ein Instrumentalquartett der Lehrerschaft für die musikalische Begleitung.

An den folgenden Samstagen tauchten am Höchstadter Marktplatz Trabis auf und verkauften aus dem Kofferraum Zwiebeln und DDR-Literatur. Etwas "sauer" waren mehrere Abiturienten des Höchstadter Gymnasiums, weil sie sich für das bestandene Abitur einen gebrauchten Pkw erhofft hatten. Der Gebrauchtwagenmarkt war jedoch leer, da die Gebrauchtwagenhändler "alles, was rollte" in der ehemaligen DDR verkauft hatten. Auch in den Schulklassen saßen plötzlich Schüler mit einem neuen Dialekt. Ihre Eltern hatten hier einen Arbeitsplatz gefunden.

Partnerschaft mit Kranichfeld

Der Höchstadter Stadtrat Andreas Stark ließ alte Kontakte aus der Zeit vor der Grenzschließung wiederaufleben, so dass es am 27. April 1991 zur Städtepartnerschaft mit Kranichfeld in Thüringen kam.

1996 nahm das Gymnasium die Einladung aus der Moskauer Vorstadt Krasnogorsk an und gründete eine Schulpartnerschaft mit Unterstützung der Firma Martin Bauer. Daraus entwickelte sich dann 2003 sogar eine Städtepartnerschaft. Alles wichtige politische Ereignisse, die ohne die Wiedervereinigung nicht denkbar gewesen wären.