Vielfältig, voller Leben und wunderschön: Ein Naturgarten überrascht zu jeder Jahreszeit durch ein neues Erscheinungsbild. Dabei ist die Bezeichnung "Naturgarten" im Grunde irreführend: Denn ganz natürlich entfaltet sich dieser Gartenstil nicht. Naturgarten bedeutet nicht, der Wildnis freien Lauf zu lassen. Es braucht schon die sorgsamen Eingriffe des Gärtners, um diese bunte und harmonische Oase für Mensch, Pflanze und Tier zu schaffen.

Und man benötigt vor allem Geduld. Denn ein lebendiger Naturgarten braucht Zeit, um sich zu entwickeln und zu verändern. Eine endgültige Gestalt wird der Naturgarten nie annehmen, er ist immer im Wandel und genau darin liegt auch seine Anziehung. Wer einen Naturgarten besitzt, beobachtet erst einmal den Lauf der Natur, bevor er eingreift. Die richtige Mischung zu finden zwischen Planung und Zufall, Gestaltung und der hohen Kunst, die Hände auch einmal in den Hosentaschen zu lassen, bietet viel Raum für aufregende Beobachtungen. Hier kann der Mensch sich wieder "erden". Für Kinder ist ein Naturgarten Entdeckungsland und Schule fürs Leben. All dies macht den Naturgarten für den neugierigen Gartenliebhaber und die heimische Pflanzen- und Tierwelt besonders attraktiv.

Strukturreich und voller Leben muss ein Naturgarten sein. In der Gartenbewirtschaftung heißt das, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie anzukämpfen. Konkret bedeutet dies: Kompostwirtschaft zu betreiben, das Fördern von Nützlingen, Mischkultur und Fruchtfolge im Gemüsebeet zu planen, auf richtige Bodenpflege zu achten und Regenwasser zu nutzen. Ein stabiles ökologisches Gleichgewicht sollte das Ziel der gärtnerischen Pflege sein. Chemischer Pflanzenschutz, synthetische Dünger oder die Verwendung von Torf sind in einem Naturgarten tabu.

Die Initiative Gartenzertifizierung "Bayern blüht - Naturgarten" will dieses Engagement mit und für die Natur in den heimischen Gärten sichtbar machen und bayernweit fördern. Träger der Zertifizierung sind die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim und der Landesverband für Gartenbau und Landespflege.

Der Weg zum Zertifkat

Interessierte Gartenbesitzer können sich zu einer Teilnahme anmelden. Für Gartenbauvereinsmitglieder ist dies kostenfrei. Das Zertifikat und die Plakette "Naturnaher Garten" werden nach einer erfolgreichen Gartenbegehung durch eine Fachjury verliehen. Wer mit der Gartenplakette ausgezeichnet wird, leistet einen wertvollen Beitrag für die Vielfalt in der Umwelt und das soll für alle sichtbar werden.

Aber die Hürden sind nicht ganz einfach. Die Beurteilung ist streng und das Prozedere ist bayernweit einheitlich geregelt. Es werden insgesamt vier Kern- und 14 Kann-Kriterien bewertet.

Die vier obligatorischen Kriterien sind der Verzicht auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln, von chemisch-synthetischen Mineraldüngern und von torfhaltigen Substraten zur Bodenverbesserung sowie das Vorhandensein einer hohen ökologischen Vielfalt - Biodiversität. Ist einer dieser Punkte nicht erfüllt, kann das Zertifikat auch bei sonst guter Beurteilung nicht erteilt werden.

Die Kann-Kriterien sind die "Kür" im Naturgarten. Begutachtet werden dabei 14 weitere Aspekte eines naturnahen und artenreichen Gartens. Dies ist zum Beispiel das Zulassen von Wildkraut (Wildes Eck), das Vorhandensein von Wiesenelementen und blühenden Stauden (Insektennahrungspflanzen) sowie die Wertschätzung von gebietstypischen Sträuchern und Gehölzen. Auch ein Gemüsebeet und Obstgehölze dürfen in einem zertifizierten Naturgarten nicht fehlen. Bei der Bewirtschaftung wird Wert gelegt auf Regenwassernutzung und Kompostkreislauf, Mischkultur mit Fruchtfolge, Gründüngung und Mulchen. Sind dann noch umweltfreundliche und regionaltypische Materialien im Garten verbaut, rundet dies das Bild eines gelungenen Naturgartens wunderbar ab.

Im Landkreis Kronach werden die ersten Naturgärten in diesem Sommer von einem geschulten Zertifizierungsteam begutachtet. Weitere Informationen gibt es unter www.kv-gartenbau-kc.de oder direkt bei der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege des Landkreises Kronach (Tel.: 09266/6286, E-Mail: beate.singhartinger@oekologische-bildungsstaette.de). red