In den vergangen Tagen sind bei Staffelstein und im Kreis Haßberge Baggerseen umgekippt. Das führte zu einem massiven Fischsterben. Außerdem gilt auch für Badegäste: Bitte aufpassen! Denn ganz ungefährlich ist dieser Prozess nicht. Hans Joachim Rost vom Wasserwirtschaftsamt Kronach (zuständig für Stadt und Landkreis Bamberg), erklärt, ob auch die Seen in der Region Bamberg gefährdet sind.

Was sind die Ursachen für ein Umkippen?
Hans Joachim Rost: Die Sonneneinstrahlung und Hitze im Sommer verursachen, dass sich die Pflanzen im Wasser vermehren, denn diese brauchen Licht. Wenn es dann aber kälter wird und zum Temperatursturz kommt, werden die Lebensvoraussetzungen für die Pflanzen schlecht und sie sterben langsam ab. Sie verfaulen, was für Fische insofern eine Gefahr darstellt, da der Sauerstoffgehalt geringer wird oder sogar gleich null geht. Somit können die Fische ihren Sauerstoff nur über die Wasseroberfläche beziehen und ein See kippt um. Für Fische ist ein Leben nicht mehr möglich.

Sind auch Seen im Bamberger Umland betroffen?
So, wie es in Staffelstein vorgekommen ist, wird es hier in Bamberg wahrscheinlich nicht passieren. Die heiße Phase ist vorbei und in Bamberg ist für das Umkippen eines Sees keine Gefahr bekannt.

Wieso passiert so etwas nur in manchen Seen?
Da gehen die Meinungen auseinander. Es hängt eventuell mit der Wassertiefe zusammen. Da ist mehr Schlamm am Boden. Außerdem ist die Beschattung von See zu See unterschiedlich. Viele Bäume werfen Schatten auf das Gewässer. Somit heizt sich das Wasser an diesen Stellen nicht ganz so stark auf. Dort ist der Sauerstoffgehalt reicher und die Fische flüchten dorthin.

Welche Gefahren bestehen für Mensch und Tier?
Beim Umkippen bilden sich Blaualgen. Diese sind toxisch für den Menschen und führen zudem zu einer schlechten Wasserqualität. Es besteht eine Gefahr für die Badegäste. Vor allem für Kinder, ältere und kranke Menschen sind die Blaualgen bedrohlich. Für das Leben eines Fisches muss das Ökosystem intakt sein. Wenn es zu schwächeln beginnt, minimiert sich die Lebensqualität. Massives Fischsterben droht. Regeneriert sich der See, ist ein Leben wieder möglich. Die Fische, die ein Umkippen überlebt haben, kriegen wieder Sauerstoff und können sich weiter fortpflanzen. Ich erinnere mich an ein Umkippen in einem Baggersee in Hallstadt. Dort wurde der See an den Main angebunden, so dass die Fische ins kältere Gewässer ausweichen konnten.

Was kann man gegen ein Umkippen des Sees tun?
Wenn die Gefahr besteht, dass ein See umkippt, bedarf es einiges an Vorbereitung. Es gibt zwei Möglichkeiten. Man kann entweder Wasser von einem kälteren Gewässer, etwa eines Flusses, in den betroffenen See pumpen. Somit ist mehr Sauerstoff vorhanden und die Lebensqualität eines Fisches ist erhöht. Zudem kann man unter der Oberfläche des Wassers einen Kreislauf erzeugen, in dem man Bewegung ins Wasser bringt. Regen ist auch sehr hilfreich, denn der bringt Sauerstoff mit sich.

Die Fragen stellte Anna Gartiser