Anfang des Jahres hat der Forstbetrieb Nordhalben erneut eine Wildkatzenerhebung mit Lockstäben durchgeführt, diesmal in solchen Waldgebieten, die vor zwei Jahren nicht beprobt wurden.
Forstbetriebsleiter Fritz Maier sagt: "Wir wollten prüfen, ob es in allen vier Landkreisen Wildkatzen gibt, beziehungsweise, ob weiße Flecken oder Schwerpunkte bestehen." Insgesamt wurden 55 Haarproben an das Amt für Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf geschickt und dort im genetischen Labor untersucht.
20 Proben enthielten Wildkatzen-DNA, manchmal von derselben Katze. Insgesamt hatten neun verschiedene Individuen die Baldrian-Lockstäbe besucht, sieben davon - fünf Kater und zwei Katzen - waren neu. Als Wildkatzen-Schwerpunkte wurden die Landkreise Kronach und Hof bestätigt, genauer, die Wälder im Bereich der Flusstäler "Rodach", "Wilde Rodach" und "Lamitz".
Dennis Klein, Wildkatzenexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), überrascht das nicht. Er erklärt: "Wildkatzen nutzen gerne Flüsse als Leitstrukturen. Die Zusammensetzung der Baumarten ist dort eine andere als in der Feldflur." Die scheuen Katzen bevorzugen strukturreiche, naturbelassene Wälder mit vielen Verstecken und üppigem Nahrungsangebot. Um sich auszubreiten, benötigen sie Trittsteine zu anderen Waldgebieten. "500 Meter offene Feldfläche können bereits eine Barriere darstellen", sagt Klein.
Auf der Website www.wildkatzenwegeplan.de hat der BUND eine Übersichtskarte eingerichtet, die sowohl Wildkatzen-Schwerpunkte als auch mögliche Lebensräume und Wanderachsen in ganz Deutschland zeigt. Auch in den Kulmbacher und Bayreuther Raum hat sich die Wildkatze schon ausgebreitet. In diesen Landkreisen wurden bei der Erhebung 2014 einzelne Individuen nachgewiesen, bei der Erhebung 2016 waren keine zusätzlichen dabei.
Forstbetriebsleiter Maier glaubt, dass die Biotopkapazität des Frankenwaldes noch nicht ausgeschöpft ist. Dort dürften nun um die 30 Individuen leben. "Es kann sein, dass die Gegend noch einige Wildkatzen verträgt", sagt er. Daher möchte Maier der Wildkatze Zeit geben, eine ausreichende Population aufzubauen. Die nächste flächendeckende Erhebung soll erst in ungefähr fünf Jahren stattfinden.
Die Wildkatze nutzt derzeit relativ wenige potenzielle Lebensräume. Um sich auszubreiten, nutzt die wilde Samtpfote derzeit die östliche Achse über das Fichtelgebirge.
Entlang der möglichen Westachse von Sonneberg bis in den Bamberger Raum wurden bisher kaum Wildkatzen nachgewiesen.