von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Kutzenberg — "Abstraktion der anderen Art" lautet der Titel einer Ausstellung mit Gemälden von Lore Weiler, die derzeit im Festsaal des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg zu sehen sind. Bei der Vernissage am Donnerstag unterstrich Bezirkstagspräsident Günther Denzler die Bedeutung der Veranstaltungsreihe "Kunst in Kutzenberg", die sich zu einem Markenzeichen in der Region entwickelt habe.
Denzler würdigte Lore Weiler als kreative und vielseitige Künstlerin. "Ihre Werke sind von beeindruckender Farben- und Formenvielfalt geprägt", so Denzler weiter.

Ein Formular als Türöffner

Lore Weiler ist durch zahlreiche Ausstellungen weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt geworden. Ihre Ausstellung in Kutzenberg beruht auf einen Zufall, wie ihn das Leben manchmal bereithält. In ihrem Aufnahmeformular als Patientin in Kutzenberg hatte Lore Weiler Malerin als Berufsbezeichnung angegeben. Eine Schwester hatte daraufhin den Kontakt zu Dietmar Hagel vermittelt. Für die Künstlerin, die in Stegaurach ein eigenes Atelier besitzt, ist es mittlerweile die 19. Ausstellung.
Die ehemalige Vorstandsassistentin hatte schon als Kind gerne gemalt. 1986 begann sie mit der Hinterglasmalerei und wechselte einige Jahre später zur Aquarellmalerei. Seit 2004 ist die Acrylmalerei ihr bevorzugtes Metier. Lore Weiler malt völlig intuitiv, ohne Vorlage oder Vorgabe. Ein großes Anliegen ist ihr, dass jedes Bild seine eigene Aussage besitzt und dass sich ihre Bilder nicht ähneln. Ein Anliegen, dem auch die gezeigten Exponate in der Ausstellung gerecht werden. Den Besucher erwartet eine Vielfalt an Bildgrößen, Farben, Strukturen, Kompositionen, Farbschattierungen und Herangehensweisen, die zunächst staunen lässt.
Lore Weiler gibt ihren abstrakten Bildern bewusst keinen Titel. "Damit blockiert man die Fantasie des Betrachters", sagt sie. Damit bietet sie dem Betrachter die Möglichkeit, ihre Bilder unvoreingenommen zu entdecken. Und zu entdecken gibt es viel. "Sie werden Vögel finden, menschliche Gesichter, Echsen oder fischähnliche Wesen und vieles andere mehr", gibt Kurator Matthias Liebel in seiner Laudatio einen ersten Hinweis darauf.

Spatz, der sein Gefieder putzt

An der Experimentierfreude von Lore Weiler darf sich der Betrachter erfreuen und je mehr er sich in ein Bild vertieft, desto mehr gibt es zu entdecken. Auf einem großformatigen Bild ist es beispielsweise eine kleiner Vogel, vielleicht ein Spatz, der seine Gefieder wie zum Putzen weit von sich spreizt. Auf einem anderen Bild sind es zwei menschliche Gestalten, die wie im Gespräch miteinander vertieft zu sein scheinen.
Bei der Vernissage sah man Gruppen von Besuchern im Austausch über das Entdeckte. Bilder, die der Kommunikation dienen. Als einzige Information erhält der Betrachter das Entstehungsjahr des Gemäldes. Ganz charakteristische Strukturen erzeugt die Künstlerin, indem sie Acrylfarben mit speziellen Tinkturen verflüssigt, damit verleiht sie ihren Gemälden eine eigene bildgestalterische Wirkung.
Bemerkenswert auch die Farbsprache, die von Ton in Ton bis hin zu starken Kontrasten quer durch das Farbspektrum reicht.

Bis 2. November zu sehen

Die Gemälde von Lore Weiler sind noch bis Sonntag, 2. November, täglich von 14 bis 17 Uhr im Jugendstil-Festsaal im Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg zu sehen. Eine weitere Ausstellung der Künstlerin zeigt der Schwimmverein Bamberg vom 15. Oktober bis 6. Januar 2015 unter dem Titel "Blau in der Natur".