Als einen Baustein der Willkommenskultur sieht Elsbeth Oberhammer das Mehrgenerationenhaus (MGH) an der Negeleinstraße. "Wir sind ein kulturell vielfältiges Haus und wollen unser Angebot den Studenten bekanntmachen", erläuterte Elsbeth Oberhammer, die Leiterin des MGH. "Wir wollen als Treffpunkt, aber auch als Anlauf- und Vernetzungsstelle dienen", sagte sie. Schließlich sei jeder einmal auf Hilfe oder Beratung angewiesen.

Um das Mehrgenerationenhaus bei den neuen Studenten der Kulmbacher Universitätsfakultät bekanntzumachen, hatte sie am Samstag zu einem "Welcome Day" eingeladen. Verführerische Düfte durchzogen das Haus und ließen den Appetit auf das neue Angebot eines kleinen Mittagstisches wachsen. "Strategisch günstig liegt das MGH zwischen dem Universitätsgebäude und dem Studentenwohnheim", ergänzte Susanne Strebin, Koordinatorin an der Fakultät VII der Universität Bayreuth. 131 Studenten seien aktuell in Kulmbach, weitere würden noch erwartet. "Die Einschreibungsfrist läuft bis zum 15. November", erklärte Susanne Strebin, und viele kämpften noch mit ihrem Visum. Die Master-Studenten kämen dabei aus 25 Nationen. Das günstige und frische Mittagsangebot im MGH sehe sie als eine gute Ergänzung zur Essensausgabe des Studentenwerks im BRK: "Hier kann man gemütlich sitzen und auch noch einen Kaffee trinken."

Das Haus erkundet

Im Obergeschoss des MGH standen verschiedene Hilfsorganisationen mit ihrem Beratungsangebot bereit, darunter die Kita, die Diakonie Bayreuth und Kulmbach, die Integrationshelfer des Landkreises Kulmbach, der Jugendmigrationsdienst, die EUTB und das Mehrgenerationenhaus selbst. "Die jungen Leute sollen den heutigen Tag auch nutzen, um unser Haus zu erkunden", sagte Elsbeth Oberhammer.

Noushin Norouzi und Elaheh Tajari (beide 24 Jahre alt) aus dem Iran und ihre Kommilitonin Adan Cheema (23) aus Pakistan nutzten gleich die Gelegenheit, im Secondhand-Shop "KuKATZ" zu stöbern und sich mit dem einen oder anderen Kleidungsstück einzudecken.

"Ich bin seit Anfang Oktober hier", erzählte Noushin Norouzi. Kulmbach sei klein, aber schön. Sie und Elaheh genießen die Natur und gehen viel spazieren. "Wir gehen auch mal essen, schauen Filme oder bummeln durch die Stadt." Allerdings würden sie Sportangebote vermissen, denn um Unisport zu betreiben, müssten sie nach Bayreuth fahren. Da zeigten sie sich dankbar für den Hinweis auf lokale Sportvereine, den sie am Willkommenstag im MGH erhielten.

"Ein größeres Problem ist es jedoch, einen Minijob zu finden", sagten beide, und Adan Cheema pflichtete ihnen bei. Die drei verfügen noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, da gestalte sich die Jobsuche in Kulmbach als sehr schwierig. "Fast überall werden Deutschkenntnisse verlangt", sagten sie.

"Es ist so leer"

Adan Cheema ist seit etwa zwei Wochen in Kulmbach und wohnt wie die anderen beiden jungen Frauen im Studentenwohnheim. Sie studierte zuletzt in Lahore, einer pulsierenden Stadt, und so empfinde sie Kulmbach zwar als sehr schön, aber "es ist so leer. Um acht Uhr macht alles zu und die Straßen sind einsam."

Probleme, die auch Arameh Abbasianchavari aus dem Iran gut kennt. Sie lebt seit zwei Monaten in Kulmbach und hatte das Glück, bei der Universität selbst einen Minijob zu finden. "Ich spreche auch ein wenig Deutsch", erklärte sie, das erleichtere einiges. In Kulmbach werde es ihr nicht langweilig, sie begrüße sogar die friedvolle Atmosphäre, so könne sie sich besser auf ihr Studium konzentrieren. "Man lernt mit der Zeit so viele tolle Leute kennen, wir haben viel Spaß."

Damit dies den Neuankömmlingen erleichtert wird, arbeitet die Fachschaft mit ihren Studentenvertretern an einem breiten Angebot. "Wir unternehmen zum Beispiel gemeinsame Wanderungen, treffen uns zum Austausch, helfen einander", erklärte Alexander Thorneloe vom "Student Council".

Pendeln zwischen Bayreuth und Kulmbach

Numrah Azhar aus Pakistan und Gina Chui aus Hongkong hingegen entschieden sich von Anfang an dafür, in Kulmbach zu studieren, aber in Bayreuth zu wohnen. Beide fühlen sich in einer größeren Stadt wohler, teilweise hatten sie auch bereits Freunde, die in Bayreuth studieren. "Das Pendeln zwischen Bayreuth und Kulmbach ist auch kein Problem", fanden sie. Probleme mit der Jobsuche, wie sie sich einigen Studenten in Kulmbach stellen, kennen sie in Bayreuth nicht: "Es ist leichter, etwas zu finden. Man kann zum Beispiel in einem Lokal immer im Hintergrund arbeiten, ohne direkten Kundenkontakt", erklärte Numrah Azhar. Von den Sprachbarrieren in kleineren Städten habe sie von Kommilitonen schon gehört. Dazu komme, dass es in Bayreuth viel mehr Gastronomie und Geschäfte gebe.

Der Universitätsstandort Kulmbach jedenfalls will die Studenten aktiv bei der Jobsuche unterstützen. Auf der kleinen Messe zum Welcome Day hatte Susanne Strebin daher eigens einen kleinen Minijob-Markt ausgehängt.