Die Weitramsdorfer Heimatdichterin Trude Weiß feiert heute ihren 90. Geburtstag. Und immer noch ist sie eifrig dabei, wenn es darum geht, Erlebnisse und ihre Umwelt in prägnanten Mundartgedichten zu verarbeiten. Seit letztem Jahr ist sie Mitglied in der Weitramsdorfer Schreibwerkstatt und feilte dort bis zur coronabedingten Pause mit Gleichgesinnten an ihren Texten. Die Mundartgedichte von Trude Weiß, die sie bei offiziellen Anlässen auf Wunsch vortrug und die in loser Folge im Weitramsdorfer Amtsblatt erschienen, waren, sind enorm beliebt.

Am 8. August 1930 wurde Trude in Weitramsdorf geboren, die Familie zieht ins Gersbacher Forsthaus. Nach der Geburt von vier Geschwistern zog die Familie 1936 zurück nach Weitramsdorf, wo ein Haus gebaut wurde. Für Trude war das das Jahr der Einschulung. "Ich erinnere mich, wie mich mein Vater immer auf dem Fahrrad mitgenommen hat", erklärt Trude Weiß.

Ihre Schulzeit absolvierte sie zügig und mit guten Noten. Mit dem Jahr der Konfirmation war dann Ende. "Ich wollte so gerne Lehrerin werden, die Noten dazu hätte ich gehabt", ruft sie sich ins Gedächtnis.

Doch sie musste ein Pflichtjahr in der Landwirtschaft absolvieren, mit dem Kriegsende tauchten für die Familie andere Probleme auf. Trude trat eine Schneiderinnenlehre an.

Mit 19 schon selbstständig

Nach dem Abschluss machte sie sich im Alter von 19 Jahren in dem erlernten Beruf selbstständig. Anfang der 50er Jahre lernte sie ihren späteren Mann Hans Weiß kennen und heiratete ihn im Jahr 1953. Ihr Mann war im Coburger Kaufhof angestellt und arbeitete dort in wechselnden Positionen.

Tochter Diana wurde 1957 geboren. Doch statt sich völlig dem Mutterdasein hinzugeben, machte sie noch etwas anderes. Ihr Mann brachte sie auf eine Idee: Die freundliche und aufgeschlossene junge Frau wurde Werbedame. "Ich habe vor allem für Biermarken geworben und kam damit ganz schön rum", erzählt Trude Weiß. Der Besitz eines Führerscheins für Frauen sei damals durchaus nicht üblich gewesen. Ihre Touren mit dem Pkw hätten sie in den oberfränkischen Umkreis geführt.

1979 traf sie ein Schicksalsschlag: Ihr Mann Hans starb. Doch Trude Weiß verzagte nicht, sie machte auch als Witwe weiter und bestritt mit ihrem Geschick als Werbedame ihren Lebensunterhalt. Und sie konnte auch ihrer Leidenschaft frönen: dem Reisen.

1983 kam eine neue Beschäftigung hinzu, die sie nicht mehr loslassen sollte: Mit der Mundartdichtung beginnt sie anlässlich des Geburtstags ihrer Mutter. Einen ersten Versuch, in Mundart zu dichten, machte sie in den 1950er Jahren. Dieses Gedicht und alle rund 300 folgenden hat Trude Weiß bis heute archiviert.

"Bei uns in der Schule wurde der Dialekt ja überhaupt nicht gepflegt, ich habe mich erst viel später wieder darauf besonnen", klärt Trude Weiß auf.

Und sie kam mit der Mundartdichtung so richtig auf den Geschmack. Was mit Geburtstagsstanzerln begann, entwickelte sich weiter zu Gedichten zu Vereinsanlässen und vielerlei anderen Gelegenheiten. Ein ganz großes Thema wurden für Trude Weiß der Mauerfall und die Wiedervereinigung. Sie beschrieb in ihren Werken die starken Emotionen beim Wiedersehen von alten Freunden aus Ummerstadt - nach 40 Jahren! "Als wir uns kennenlernten, waren wir jung. Als wir uns wiedersahen, waren wir fast schon Rentner", erinnert sie sich.

Das Schreiben eigener Texten, in der Schreibwerkstatt manchmal auch in Prosa-Form anstelle von Reimen, könne und wolle sie nicht lassen. "Ich werde weitermachen, so gut ich kann, so Gott will", verspricht die rüstige Seniorin. Und weiter meint sie: "Mein großes Glück ist meine ganze liebe Familie." Sie sei froh, sagt die 90-Jährige und fügt hinzu, dass sie sich besonders darauf freue, vor allem auch zusammen mit ihren drei Urenkeln den Festtag begehen zu können.