Stephan Stöckel

Die Hard'n'Heavy-Fans trauten am Pfingstsamstag ihren Augen nicht: Aus dem urigen "Seubersdorfer Scheunafestival", das zum 21. Mal stattfand, war ein kleines Hallenfestival geworden. "Früher im Feuerwehrstadel war es gemütlicher", meinte ein Besucher, der beim Bezahlen seiner Zeche einem Gespräch über das neue Festivalgelände gelauscht hatte.
Einspruch! Wäre die Halle proppenvoll gewesen, dann wäre auch der neue Ort zum Hort urwüchsiger Rock'n'Roll-Kultur geworden. Pfingsten ist Ausflugs- und Urlaubszeit und das bekamen die Veranstalter, die Dorfgemeinschaft und Brandy Schäck aus Peesten, zu spüren.


Wenig Besucher, hohes Niveau

Nur rund 150 Besucher wohnten dem Start des Festivals an neuer Stätte bei. In den vergangenen Jahren hatten sich bis zu 300 Besucher im "Klein-Wacken" auf dem Jura zwischen Weismain und Kasendorf vergnügt. Wer sich aber dennoch eingefunden hatte, der wurde mit einem erstklassigen Festival belohnt, in dem sich Härte und Grips die Klinke in die Hand gaben.


Neuer Ort hat viele Vorteile

In den Steinkrügen mit dem Festival-Emblem, dem Stern mit den zwei Sensen, das Frank Zeutschel von der Kulmbacher Band "Euroschäck" entworfen hatte, schäumte der Gerstensaft, als Stefan Hatzold von der Dorfgemeinschaft am Tresen aus dem Nähkästchen plauderte: "Im Sommer vergangenen Jahres weihten wir das neue Feuerwehrhaus und die Dorfgemeinschaftshalle ein, die nebeneinander stehen. In der Halle feiern wir die Kerwa und das eine Woche danach stattfindende "Scheunafestival."
Mit der Halle habe man mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, so Hatzold und sein Thekenteam nickt: Man nutze die Infrastruktur (Strom und Wasser) der Feuerwehr und belästige am Ortsrand weniger Einwohner. Bei der Kerwa sei es obendrein sicherer für die Kinder als im alten Stadel, der an einer Durchfahrtsstraße steht.
Die Hardcore-Gruppe "Cycoside" vom Jura, die in oberfränkischen Fan- und Kritikerkreisen hohes Ansehen genießt, ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. "Unsere Sängerin Nathalie Dombrowski war eineinhalb Jahre lang auf Work & Travel in Neuseeland", erzählte Bassist Jörg Bergmann aus Fesselsdorf. Zugleich stellte er Gitarrist Moritz Stahlmann vor, der seit kurzem die Band verstärkt. Letzterer hatte 2014 mit seiner damaligen Band "The Scamp" beim Peestener Open Air die Bühne mit "Cycoside" geteilt. "Wir verfügen jetzt über einen zweistimmigen Gitarrensound, sind somit flexibler in unserem Melodiespiel."


Fans in Ekstase

Das hörte man der Musik deutlich an, die mit famosen Hardcore-Krachern aus eigener ("Bloodbath") und fremder Feder ("Gotta Go") gespickt war und einen Teil des Publikums zu ekstatischen Rempel-Tänzen animierte.
"Gut gebrüllt Löwe!" hieß es auch bei der ersten Band des Abends "The Slingshot Argument" aus Marktgraitz, die ihren Noise-Rock mit einem Tenorhorn verstärkten. Gesänge aus der Gruft steigerten sich zu orkanartigen Wutausbrüchen, dass es eine wahre Pracht war.
Die Gruppe "Atomic Void", deren Mitglieder aus Bayreuth und Wirsberg stammen, lenkten das Hard'n'Heavy-Schiff mit ihrem Hard- und Stonerrock in etwas ruhigere Fahrwasser.
Als am Ende eines gelungenen Konzertes, Jörg Herold und Ingo Spiske als Gastsänger die Bühne enterten, fühlte man sich voller Wehmut an Konzerte der ehemaligen Kulmbacher Band "Tomorrow's Child" erinnert, bei der einst auch "Atomic Void"-Bassist Volker Pezoldt mitgespielt hatte.
Den Schlusspunkt des Abends setzte das Kulmbacher Trio "Jumpin' Juice" mit seiner knallbunten Wundertüte des Punkrock. Nach dem knallharten Hardcore-Gewitter von "Cycoside" war das die passende Musik zum Herunterkommen für die Fans. Mit ihr fand ein erstklassiger Rockabend seinen würdigen Ausklang.