Ich bin über 70 Jahre alt, früher galt ich als alter Mann, früher gab es auch noch Altenheime, jeder hat das auch als selbstverständlich so hingenommen. Das Alter selbst hat mit der körperlichen und geistigen Fitness gar nichts zu tun. Auch der 70-Jährige, der mit einem Golf-Handicap im Teenager-Wert aufwarten kann, bleibt ein alter Mann.
Die Wirtschaft hat vor Jahren "die Alten" mit dem Begriff "die Senioren" in unserer Freizeitgesellschaft nach den Gesetzen von Marketing und Konsumorientierung "aufgewertet". Aber offensichtlich fühlen sich die ach so fitten, modernen Alten, pardon Senioren, immer noch viel jünger und moderner, sodass die Wirtschaft nunmehr den Begriff "Best Ager" für uns gefunden hat oder uns in der Rubrik "50 oder 60 plus" erscheinen lässt. Und aus dem Altenheim hat man - welch Euphemismus! - eine Seniorenresidenz gemacht. Irgendwann wird man uns noch als "Senior-Kids" bezeichnen!
Meine 42-jährige Tochter versteht die Vorbehalte von vielen "Alten" gegen den Begriff "Senior" nicht. In der Wirtschaft werden besonders erfahrene, tüchtige Mitarbeiter z. B. als Senior-Purser, als Senior-Assistant, als Senior-Professor oder Senior-Consultant bezeichnet - das ist eine Auszeichnung. Im Freizeit- und Leistungssport wird heute ein dem Jugendalter entwachsener "älterer Sportler" als Senior bezeichnet. Kurzum: Wenn wir schon keine "Alten" mehr sein dürfen, so sollten wir uns dem Jugendwahn der Wirtschaft widersetzen und als Senior und Seniora glücklich leben wollen - klingt auch etwas nach mediterraner Lebensfreude.