200 000 Euro hat am Donnerstag ein Senior einem zunächst unbekannten Telefonbetrüger überreicht. Die Fahndung der Kriminalpolizei Schweinfurt führte aber schnell zum Erfolg, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums Unterfranken und der Staatsanwaltschaft Schweinfurt heißt. Die Kripobeamten nahmen einen dringend Tatverdächtigen vorläufig fest und stellten bei ihm auch die vollumfängliche Beutesumme sicher.

In Angst und Schrecken versetzt

Kurz nach Mittag hatte das Telefon eines älteren Ehepaars im Landkreis Bad Kissingen geläutet. Die Anruferin versetzte die Senioren in Angst und Schrecken und gaukelte ihnen vor, dass ihre Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Deshalb sei von Seiten der Staatsanwaltschaft und eines Richters eine Kaution in Höhe von 200 000 Euro festgelegt worden.

Nachdem sich der Rentner bereit erklärt hatte, für die Kaution aufzukommen, wurden noch am Telefon die Übergabemodalitäten vereinbart. Er wurde aufgefordert, das Geld an einen "Polizeikurier" zu übergeben. Etwa zweieinhalb Stunden nach dem ersten Anruf übergab der Senior das Geld, das er zuvor in einer Plastiktüte verpackt hatte, an einen Abholer. Die Übergabe fand unmittelbar vor der Wohnadresse des Ehepaares statt.

Erst nach einem weiteren Telefonat mit seiner richtigen Tochter wurde dem Rentner klar, dass er Betrügern aufgesessen war. Er wählte daraufhin sofort den Polizeinotruf.

Die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Unterfranken leitete sofort die Fahndung in die Wege, an der sich zahlreiche Streifenbesatzungen beteiligten. Dies führte schnell zum Erfolg. Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt kontrollierten bei Poppenhausen gegen 15 Uhr einen Mann, auf den die Täterbeschreibung zutraf. Sie stellten bei dem Verdächtigen die gesamte Summe sicher, die der Senior kurz zuvor in bar übergeben hatte.

Es handelt sich um einen 18-Jährigen aus Osteuropa, der in Deutschland offenbar keinen Wohnsitz hat, so die Pressemeldung. Der dringend Tatverdächtige wurde vorläufig festgenommen und auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt am Folgetag dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der die Untersuchungshaft wegen des dringenden Tatverdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs anordnete. Der 18-Jährige sitzt seither in einer Justizvollzugsanstalt ein, so die Info aus dem Polizeipräsidium.

Auf unsere Anfrage spricht Polizeisprecher Björn Schmitt von einem außergewöhnlichen Fall. "Fünfstellige Beträge sind bei diesen Betrugsmaschen keine Seltenheit, aber so eine hohe Summe ist schon außergewöhnlich. Leider kommt auch so etwas hin und wieder vor."

Nicht gezielt ausgesucht

Schmitt geht nicht davon aus, dass das Ehepaar gezielt ausgesucht wurde. "Es war wohl Zufall, dass die Täter an jemanden geraten sind, der über eine so hohe Geldsumme verfügt", erklärt er. Wie der Senior dermaßen rasch einen solchen Betrag aufbringen konnte, ist noch nicht abschließend geklärt, so Schmitt weiter.

Die noch andauernden Ermittlungen in dem Fall hat die Kriminalpolizei Würzburg unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Schweinfurt übernommen. red