Höchstadt — "Wie kann Inklusion in der täglichen Arbeit ganz praktisch umgesetzt werden?" Diese zentrale Frage bewegte drei Tage lang neun Beschäftigte der Barmherzigen Brüder Gremsdorf sowie neun Auszubildende der Kreissparkasse Höchstadt. Als Thema für ihr gemeinsames Projekt wählten sie den richtigen Umgang mit Kunden.
In Rollenspielen, bei einer Stadtrallye durch die Höchstadter Geschäftswelt sowie in theoretischen Unterrichtseinheiten lernten die Fortbildungsteilnehmer Lösungsansätze für ihre tägliche Arbeit mit Kunden. Auch Beschäftigte mit Handicap arbeiten in Servicebereichen, wie zum Beispiel in Seniorenheimen oder auch Einkaufszentren.
Den Teilnehmern war recht schnell klar, dass ihre Tätigkeiten auf jeden Fall etwas mit "Respekt", "Wertschätzung" und "Verständnis" zu tun haben. Kleidungsvorschriften sowie wichtige Merkmale bei der Arbeitsplatzgestaltung sind ebenfalls zu beachten.
Nach Projektleiter Lutz Tamaschke sei es darüber hinaus auch wichtig gewesen zu beobachten, wie Menschen aus solch unterschiedlichen Arbeits- und Lebenswelten sowie mit großen Altersunterschieden miteinander umgingen. Und für ihn war es "spannend zu sehen", wie sich "nach kurzer Zeit bereits Barrieren auflösten, Brücken zueinander entstanden und ein solides Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde".

Gut fürs Selbstbewusstsein

Auch eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Umfeld wurde deutlich. Beschäftigter Karl-Heinz aus der Gremsdorfer Behinderteneinrichtung meinte: "Eigentlich bin ich richtig, wo ich bin", und er ergänzte recht selbstbewusst, dass es im Grunde ganz toll sei, was er an seinem Arbeitsplatz so täglich leiste.
Die Ausbildungsleiterin der Kreissparkasse Höchstadt, Johanna Schmuck, war voll überzeugt von den gemeinsamen Tagen. Alle neun Auszubildenden des ersten Ausbildungsjahres hatten sich bereit erklärt, an diesem Kompetenztraining teilzunehmen. Sie waren sogar froh, so eine Möglichkeit geboten zu bekommen. Auch der Leiter der Gremsdorfer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, Günther Allinger, fand klare, zustimmende Worte zu diesem "Projekt mit Vorbildcharakter". Für ihn seien die Ergebnisse solcher Aktionen keinesfalls "in Geld zu messen". Dabei gehe es vielmehr um "Persönlichkeitsentwicklungen".
An diesen Tagen gab es aber nicht nur viel theoretischen und praktischen Unterricht. Vielmehr kochte man sogar zusammen und ging mit Allinger, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Herbert Fiederling sowie dem Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Höchstadt, Thomas Pickel, zum Eisessen.

Freundschaften entstehen

Am Anfang mögen die Sparkassenazubis die Teilnehmer von den Barmherzigen Brüdern Gremsdorf noch als "Menschen mit Handicap" betrachtet haben, sagte Johanna Schmuck, im Laufe der Zeit seien daraus dann "Mitmenschen mit ihren Stärken und Schwächen" geworden; aus den Gremsdorfer Bewohnern wurden Michaela, Bernd oder auch Jörg.
Der Austausch jeweiliger Adressen und spontane private Verabredungen machten deutlich, dass am Ende der drei Projekttage sogar persönliche Beziehungen zwischen den Jungbankern aus Höchstadt und den gehandicapten Frauen und Männer aus Gremsdorf erwachsen waren.
Johannes Salomon