Anna-Lena Deuerling

"Das waren Zustände, die man sich nicht vorstellen kann", sagt Rosi Schmitt. Enttäuscht von den Bedingungen in der Pflege, dem Alltag in Einrichtungen, wo oft der menschenwürdige Umgang mit an Demenz erkranken Patienten zu kurz kommt, sucht die Pflegerin vor über zehn Jahren nach Alternativen in der Betreuung. "Ich dachte mir, man muss mehr für Demenzkranke tun", erzählt sie.
Sie findet motivierte Mitstreiter, mit denen sie einen gemeinnützigen Verein gründet. Der Plan ist, eine Demenz-WG für Höchstadt zu realisieren. Es beginnt ein mühseliger Prozess, eine lange Planungs- und vor allem Finanzierungsphase.


Demenz-WG eröffnet 2010

Viel Durchhaltevermögen, Unterstützung durch Stadt und Landkreis, Spenden und Fördermittel machen es möglich, dass 2010 elf Zimmer, jedes von den Mitbewohnern individuell eingerichtet, am Schlossberg bezogen werden können. In der ambulant betreuten Wohngemeinschaft soll jeder Bewohner seinen Alltag ganz individuell gestalten können. Ein selbstbestimmten Leben trotz Demenz ist in Schmitts Augen der Kernpunkt des Wohnprojekts. Die WG wird über ein Angehörigengremium selbst verwaltet. Die Bewohner werden vom ambulanten Pflegedienst versorgt, auch Sozial- und Musikpädagogen und andere Fachkräfte stehen zur Verfügung. Wer sie in welchem Maße betreut, entscheiden die Bewohner.
"Bei Demenz ist es wichtig, auf die unterschiedlichen Phasen und Befindlichkeiten der Patienten eingehen zu können", sagt Schmitt. Dass setze voraus, dass man den Menschen und seine Biografie auch kennt. Das können am besten die Angehörigen, die eine wichtige tragende Säule des ganzen Projekts sind. In der familienähnlichen Struktur der Einrichtung dürfen Angehörige kommen und gehen wann sie wollen. Sie können und müssen sich auch einbringen. " Ziel ist, das Miteinander so lebensnah wie möglich zu gestalten", sagt Schmitt. Die Arbeit in Kleingruppen und enge Betreuung fordert natürlich auch die Mitarbeiter, doch die seien hochmotiviert, so Schmitt. "Denn die Bedingungen stimmen", erklärt sie. Sie wünscht sich mehr Projekte dieser Art für den Landkreis - weiß natürlich zugleich, dass Pflegeheime ebenso wichtig sind. Die WG sei eine Alternative für Angehörige, die die Pflege nicht mehr alleine schaffen, aber trotzdem ein gemeinsames Leben bestreiten wollen.