Dass Kreisklassenspiele ihren Reiz haben, ist hinreichend bekannt. Am zurückliegenden Wochenende kam es sowohl in der KK1 als auch in der KK3 nicht zu den mit Spannung erwarteten Spitzenspielen, sondern auch zu torreichen Prestigeduellen. Während es in den Topspielen auf der Hut und beim FC Haarbrücken lange Gesichter bei den Gastgebern gab, weil ihre Mannschaften durch die unerwarteten Niederlagen jeweils auf den 3. Tabellenplatz zurückfielen, brüllten die "Löwen" in Bad Rodacher Stadtderby gleich fünfmal! Und auch "KK1-Geheimfavorit" TSSV Fürth am Berg schlug am Sonntag fünfmal zu.

Huter stellten ihr Visier extrem schlecht ein

Auf der Hut duellierten sich die bis dato punktgleichen Tabellenführer: Der SV Hut Coburg hatte trotz enormer Verletzungssorgen - "Bei uns hat die komplette Zentrale gefehlt"/O-Ton Patrick Düsel, Torschütze für den SV Hut - den SV Heilgersdorf im ersten Durchgang fest im Griff und erspielte sich Torchancen fast im Minutentakt. Weil Reistel, Zimmer, Wittmann & Co. aber ihr Visier am Sonntagnachmittag extrem schlecht eingestellt hatten, kamen die Heilgersdorfer bis zur Pause mit einem "blauen Auge" davon: Nur 1:0 für die Platzherren. Noch alles drin, dachten sich die Gäste und schafften den Turnaround. Und wie!

Kabinenpredigt

Denn nach der Kabinenpredigt drehte die Truppe um Heilgersdorfs Spielertrainer Sebastian Derra richtig auf. Der Coach hatte seinen Jungs in der Halbzeit anscheinend richtig die Meinung gegeigt, denn plötzlich lief es wie am Schnürchen beim SVH. Gegenüber unserem Partnerportal Anpfiff.info sagte Derra: "Nach der Pause haben wir uns gesteigert. Mit mehr Ballbesitz und mehr Laufarbeit bekamen wir die Offensive des Gegners auch besser in Griff. Außerdem haben wir unsere Torchancen besser ausgenutzt." Die Folge: Der neue Herbstmeister brannte ein Offensiv-Feuerwerk auf der Hut ab, schoss noch fünf Tore und eroberte somit vor den Minimalisten vom TSVfB Krecktal (1:0-Sieger gegen den TSV Meeder II) die alleinige Tabellenführung.

Über 200 Fans in der Thermalbadstadt

Nicht nur auf die Hut kamen in dieser Spielklasse mehr als 200 Zuschauer - auch das Bad Rodacher Stadtderby zwischen dem einstigen Landesligisten FC Bad Rodach und den "Löwen" vom TSV 1860 Bad Rodach verfolgten nämlich über 200 Fußballinteressierte. Beim 5:1-Heimsieg der "Löwen" brillierte wieder einmal Christian Koropecki - für viele Insider immer noch einer der besten Kreisklassenspieler in der Region, und das mit 37 Jahren.

Sollmann-Elf reicht beim FCH eine "Kiste"

Von der KK3 in die KK1. Auch dort kam es zum Gipfeltreffen. Der Tabellenführer empfing seinen schärfsten Verfolger. Im Klartext: Grün gegen Gelb oder FCH gegen TSVO. Die Haarbrücker um ihren sonst so torgefährlichen Spielertrainer Philipp Walter erwischten in dieser farbigen Partie (elf Gelbe und eine Gelb-Rote Karte) einen rabenschwarzen Tag. Nach dem ärgerlichen Rückstand rührte Gästetrainer Uwe Sollmann nämlich erfolgreich Beton an. Kein Durchkommen für Haarbrücken. Oberlauter stand sicher und ließ nichts zu. Die Haarbrücker rannten immer wieder an - vergeblich. Und sie haderten an diesem Nachmittag auch ein wenig mit Schiedsrichter Jonas Meusel aus Grub, der möglicherweise eine knappe Abseitsstellung beim Tor des Tages übersah und später dem unermüdlichen FCH-Trainer einen Foulelfmeter verweigert haben soll. Dazu der Kommentar eines zwar enttäuschten, aber jederzeit fairen Walter: "Pech für uns, aber so ist halt der Fußball und wir werden weiter kämpfen."

Geheimfavorit mit viel Erfahrung im Kader

Die Haarbrücker rutschten in der Kreisklasse 1 von Platz 1 sogar auf Platz 3 ab. Denn zwischen Oberlauter und Haarbrücken schob sich die TSSV Fürth am Berg. Mit einer Siegesserie schlich sich das Team von Neu-Trainer Marco D'Antimi bis auf Platz 2 vor. Vor allem auch ein Verdienst der beiden spielstarken und treffsicheren Rebhan-Zwillingsbrüder Tim und Willy.

Beim 5:2-Heimsieg gegen den TSV Unterlauter stellten die Zwillinge ihre Klasse, aber auch ihre Kaltschnäuzigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Dazu Mittelfeldstratege Tim Rebhan: "Ja heute hat es richtig Spaß gemacht und unsere Truppe harmoniert immer besser." Und schmunzelnd fügt er augenzwinkernd hinzu: "Es wird höchste Zeit, dass mein Bruder mal seine vielen Chancen konsequent nutzt. Er könnte schon doppelt so viele Buden haben ..."

Ex-Profi und Oberbürgermeister staunen

Da staunte nicht nur Ex-Profi Carlo Werner - früher unter anderem in der 1. Bundesliga für Fortuna Düsseldorf unterwegs und jetzt Trainer der Lautertaler - sondern auch Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan. Das Stadtoberhaupt der "Bayerischen Puppenstadt" ist längst Dauergast in Fürth und freut sich über die torreichen Auftritte seiner beiden Jungs.

Überhaupt haben die Fürther, die in der Vorsaison vom Corona-Saisonabbruch profitierten und deshalb vom drohenden Abstieg in die A-Klasse verschont blieben, in dieser Saison wieder eine schlagkräftige Truppe beisammen. Nicht nur die beiden Rebhans (VfL Frohnlach), auch die beiden Innenverteidiger Lukas Schuster (FC Coburg, VfL Frohnlach) und Marco Fleißner (SV Friesen, TSV Mönchröden) sowie die Mittelfeldspieler Tim Knoch (TSV Sonnefeld) und Aydin Alparslan (VfL Frohnlach) haben bereits Landes- oder Bezirksliga-Erfahrungen gesammelt. Mit den "Rot-Schwarzen" aus dem kleinen Neustadter Stadtteil ist im Aufstiegskampf also wieder zu rechnen. oph