Das hätte schlimm enden können. Auf der Autobahn 70 in Höhe von Thurnau schrammte ein 19-jähriger Mann aus dem Landkreis mit seinem Auto an der Betonwand entlang. Der Polizei erklärte er später, dass er von einem Lastwagen abgedrängt worden sei. Die Beamten fanden allerdings schnell heraus, dass dies so nicht stimmen konnte. Wegen des Vortäuschens einer Straftat musste er sich nun vor dem Jugendrichter verantworten.

"Ich bin normalerweise absolut fit und jeden Tag mit dem Auto unterwegs", sagte der junge Mann vor dem für Jugendsachen zuständigen Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner aus. Einen Tag vor dem Unfall am 16. Mai dieses Jahres sei er allerdings geimpft worden. In der Folge habe er zehn Stunden durchgeschlafen, danach sei er auf der Autobahn gefahren und für Sekunden wieder in den Schlaf gefallen.

Der Angeklagte hielt daraufhin an und setzte vom Seitenstreifen einen Notruf ab. Sein Fahrzeug, zu allem Überfluss auch noch ein Leihwagen, war danach ziemlich lädiert.

Als die Beamten auf dem nächsten Pendlerparkplatz eintrafen, tischte ihnen der junge Mann auf einmal die Geschichte mit dem Brummi auf. Wahrscheinlich tat er das so unglaubwürdig, dass die Polizisten sofort den Braten rochen.

Vor Gericht wurde nun schnell klar, warum der Angeklagte so in Panik geraten war. Nicht nur, dass dies sein erster Unfall überhaupt war, nein, er macht derzeit auch noch eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Die Geschichte mit dem Sekundenschlaf wäre da gar nicht gut gekommen. So hatten ihn das auch seine Kumpels geraten, die er beim Warten auf die Polizei anrief.

Kotflügel total kaputt

"Wären Sie doch nur bei der Wahrheit geblieben, dann wäre gar nichts passiert", sagte Richter Berner zum Angeklagten. Mit den 1000 Euro Selbstbeteiligung, die er an die Mietwagenfirma zahlen musste, kam er sowieso noch gut davon, schließlich benötigte der Wageneinen komplett neuen Kotflügel.

Für die Anwendung des deutlich milderen Jugendstrafrechts hatte sich bereits die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe ausgesprochen. Aufgrund von Reifeverzögerung sei der Angeklagte mit der Situation überfordert gewesen und habe dann absolut jugendtypisch reagiert. Auch sein Lebenslauf sei nicht gerade gradlinig verlaufen. So hatte er bereits eine erhebliche Vorstrafe wegen Computerbetrugs in 17 Fällen auf seinem Konto und musste deshalb einen Jugendarrest absitzen. Die letztlich auch verhängte Geldauflage von 500 Euro hatte bereits der Vertreter der Staatsanwaltschaft so beantragt. Der Angeklagte habe eine falsche Verdachtslage hervorgerufen und sei bereits vorbestraft. Auf der anderen Seite habe er den Sekundenschlaf aber schnell eingeräumt und dabei Schuldeinsicht und Reue gezeigt.

Das sah auch Richter Berner so. Er sprach von einem "klassischen Fall des jugendtypischen Fehlverhaltens", weil der Angeklagte planlos und ziellos gehandelt habe. Bei Anwendung des Erwachsenenstrafrechts wäre die Strafe deutlich höher ausgefallen, so Berner. Auf seinen Führerschein hat die Verurteilung zumindest von Seiten des Gerichts keine Auswirkungen. Die 500 Euro gehen zugunsten der Kulmbach Kreisverkehrswacht.