Gibt es eine Peak-Zeit, in der es besonders viele Austritte gibt?

Dekan Günther Werner: Die meisten Austritte haben wir zu Zeiten der Steuererklärung. Finanzielle Gründe spielen eine große Rolle. Das ist für alle Pfarrer äußerst frustrierend mitzuerleben, dass trotz engagierter Arbeit Leute der Kirche ganz bewusst den Rücken zukehren. Alle leiden darunter. Und auch ich sehe das wirklich mit Sorge.

Wie begegnen Sie dem Problem im Dekanat?

Wir versuchen, offensiv auf die Leute zuzugehen und einen intensiven Kontakt aufzubauen. Das ist im ländlichen Raum leichter. Die Menschen in der Stadt zu erreichen, ist deutlich schwieriger, als in einer kleineren Gemeinde, in der jeder jeden kennt. Das sieht man schließlich auch an den Austritten. 75 Prozent leben in der Stadt Forchheim. Doch wir spüren überall, dass die Bereitschaft mitzumachen, sehr rückläufig ist.

Wieso gehen derzeit so viele den Schritt, dann auch ganz aus der Kirche auszutreten?

Zum einen sind es teils Übertritte aufgrund von Eheschließungen. Also ein Wechseln in die andere Konfession und somit kein echter Austritt. Zum anderen haben wir hier in der Fränkischen Schweiz noch ein ganz spezielles Problem...

Und wie lautet das?

Wir haben hier einige aktive Sekten, die hartnäckig werben. Das sind einzelne, sehr fromme Gruppierungen, beispielsweise in Birkenreuth. Es ist nicht zu unterschätzen, wie viele Mitglieder wir an sie verlieren.

Was tut die Evangelische Kirche dagegen?

Es gibt verschiedene Initiativen. Nicht alle kamen jedoch gut an. So wie beispielsweise das von der Evangelischen Kirche mitfinanzierte Flüchtlingsschiff. Das war, befürchte ich, für manche der letzte Anstoß zum Austritt. Das bedrückt mich schon sehr.

Hat die Corona-Krise Ihre Arbeit beeinträchtigt?

Wir haben natürlich unsere Gottesdienste im Internet übertragen und verschiedene Videos online gestellt. Das konnte vielen Menschen zuhause Mut machen. Allerdings fielen unsere Besuche vor Ort aus. Wir durften nicht an Geburtstagen gratulieren wie sonst und durften niemanden im Krankenhaus und Altenheim besuchen. Nur die Sterbevorbereitung war uns noch erlaubt.

Kontaktieren Sie die ausgetretenen Kirchenmitglieder persönlich?

Natürlich. Diejenigen, die meine Gemeinde betreffen, rufe ich an. Manche Kollegen schreiben auch Briefe. Im ländlichen Bereich wird auch oft angerufen. Ich möchte die Gründe kennen, wieso sie ausgetreten sind. Erst dann kann ich reagieren. Die Gespräche führte Sabine Memmel.