Ein Spanner, der das Liebesgeflüster erlauschen möchte? Oder ein Mann, der sich nur eben mal zu den Rosen gebeugt hat, um sich an der Schönheit der Blüten zu erfreuen und ihren betörenden Duft einzusaugen? Jedenfalls hat der junge Mönch seine Zelle verlassen, um sich in Gottes Natur zu ergehen und zu meditieren.

In der Linken hält er das Brevier mit Gebeten und Psalmen für jede Stunde. Ein kleines Paradies umgibt den verträumten Bruder: Sträucher, die sich an die Mauer schmiegen, ein hochwachsendes Bäumchen, das den Himmel küssen möchte, und eben der blühende Rosenstrauch.

Das kleine Diorama im Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg ist von Carl Spitzwegs Gemälde "Rosenfreund" (1848) im Frankfurter Städel-Museum inspiriert. Wie dort, wo das Liebespaar im Halbdunkel einer Laube knutscht, ist es auch hier nur schemenhaft erkennbar. Die Fantasie des Betrachters wird damit umso mehr gekitzelt. Einzig das Kleid des Mädchens leuchtet hervor, so verführerisch wie das Rot der Rosen.

Spitzweg malt skurrile Gestalten - Sternengucker, Schmetterlingsfänger, Stubengelehrte, Kaktusnarren, strickende Kanoniere, schlafende Nachtwächter, liebestolle Witwer, arme Poeten - , doch Geistliche, besonders Mönche, Klausner, Eremiten, sind sein größtes Pläsier. Denn auf die hat's der Teufel besonders abgesehen. Er verführt sie zum Trunk, zur Völlerei und, naja, auch zum schlimmsten aller Laster - der Lüsternheit. Spitzweg hat seine mephistophelische Freude dran.

In seinem Bild "Der verliebte Einsiedler" zum Beispiel kann sich die brave Besucherin den Begierden des Höhlenbewohners nur mit Not erwehren. In dem Gemälde "Die Sennerin und Mönch" ist es, umgekehrt, eine freche Göre, die ihren Rock hochstrupft, um den Geistlichen heiß zu machen.

Der "Rosenfreund" im Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg ist subtiler. Er deutet die erotischen Sehnsüchte des armen Mönchleins an, am Süßen nur schnuppern, es nicht berühren zu dürfen, wie drängend das Verlangen auch sein mag. Doch wie immer bei Spitzweg: Er legt die Schwächen der Menschen mit sanftem Spott bloß, so wie die Umstände ihrer Zeit, in die sie hineingestellt sind - ohne je böse und verletzend zu sein.