Im Januar ist Luisa Müller 18 Jahre alt geworden. Volljährig. Eigentlich sollte man einen so wichtigen Abschnitt in einem jungen Leben gebührend feiern. Doch für Luisa war es ein einsamer Geburtstag im engsten Familienkreis.

"Gerade habe ich meine ‚Freiheit' bekommen, und gleich wurde sie wieder eingeschränkt", sagt Luisa. Sie fühlt sich in Zeiten von Lockdown und Beschränkungen oft alleine, vermisst die sozialen Kontakte. Sie hofft, ihren Geburtstag bald mit ihren Freundinnen nachfeiern zu können, "und wenn nicht diesen, dann vielleicht den zwanzigsten".

Die Zeit zu Hause nutzt sie unter anderem, um ihre Kochkünste zu verfeinern - das ist nicht verkehrt, aber: "Gemeinsam mit Freunden würde es mehr Spaß machen."

Das Gespür geht verloren

Wenn sie an ihre Zukunft denkt, ist Luisa noch etwas ratlos. "Eigentlich wollte ich nach der Schule Work and Travel machen, mich selbst kennenlernen und vielleicht aus den Erfahrungen Neues entstehen lassen." Herauszufinden, wofür man brennt, das findet die Oberstufenschülerin aktuell deutlich erschwert. "Keine Messen, keine Praktika, das Gespür geht verloren, man kann online nicht alles zu 100 Prozent erleben", sagt sie, auch wenn sie die vielen Online-Angebote von Unternehmen und Hochschulen zu schätzen weiß.

"Den meisten Jugendlichen geht die Gesundheit vor, deswegen halten wir uns auch an die Corona-Regeln, dennoch wünsche ich mir wieder mehr Leichtigkeit im Leben", sagt die 18-Jährige. Nicht nur, ständig an Corona denken zu müssen. Sie würde sich "richtig krass freuen", mal wieder rausgehen, einfach mal mit lieben Menschen Essen gehen zu können.

"Das Leben der Jugendlichen ist derzeit auf die Schule reduziert - das läuft ganz gut, kann aber doch nicht das Leben sein", sagt Jürgen Ziegler, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. Den jungen Leuten werde immer wieder vorgeworfen, sie würden ja nur Party machen wollen. "Na und?", kommentiert Ziegler solche Vorwürfe. "Wir feiern doch alle gern, das gehört zum Menschsein dazu."

Verantwortungsbewusst

Für ihn hätten die Jugendlichen die eigentliche Last der Pandemie zu tragen. Alles, was Jugend ausmache, nämlich sich zu orientieren, Erfahrungen zu sammeln, alle Entwicklungsaufgaben für die jungen Leute seien immer schwerer zu erfüllen. In Vereinen und Organisationen wie dem THW oder dem BRK würden Werte und Kompetenzen vermittelt, all das liege aktuell brach. "Und es ist eine Frechheit zu behaupten, den jungen Leuten werde heute der Schulabschluss geschenkt." Vielmehr zeigten die Jugendlichen aktuell ein großes Verantwortungsbewusstsein, Zielstrebigkeit und Organisationsgeschick.

Die Ängste und Bedenken unter den jungen Leuten würden auch wachsen. "Sie machen sich Sorgen, ob sie auch einmal geimpft werden, oder was ist, wenn sie selbst an Covid-19 erkranken." Dann noch die riesige Verunsicherung in Bezug auf ihre Schulabschlüsse und wie es danach für sie weitergehe. "Die Jugendlichen stehen generell hinter der Entscheidung und wünschen sich einen Lockdown, um aus der Pandemie herauszukommen, aber sie brauchen auch das Gefühl, ernst genommen zu werden." Der Bayerische Jugendring (BJR) habe deswegen eine Kampagne gestartet. "#hörtaufdiejugend" heißt das Projekt, über das junge Menschen in den sozialen Medien ihre Bedürfnisse, Forderungen und Herzensangelegenheiten posten können. Infos dazu finden sich auf der Webseite www.bjr.de.

Umfrage der Streetworker

Mit ähnlichen Widrigkeiten haben die Kulmbacher Streetworker im Lockdown zu kämpfen. "Zum Glück können wir noch Einzelberatungen durchführen, aber damit erreichen wir leider nur Jugendliche, die uns bekannt sind, und auch hier nur einen Teil", erklärt Streetworkerin Miriam Keis.

Den Streetworkern sind Gruppenarbeiten ab einer Inzidenz von 100 untersagt, die Zeit nutzen sie daher aktuell für eine Umfrage. "Was brauchen die Jugendlichen im öffentlichen Raum?" Sie selbst habe den Eindruck, dass die Jugendlichen immer mehr den Bezug zu den Streetworkern verlieren, psychische Probleme und rebellenhaftes Verhalten seien wieder mehr an der Tagesordnung. "Der Frust ist riesig, zu Hause sind viele mit der Situation überfordert, es gibt für die Jugend keine Ausweichmöglichkeiten." Bei vielen werde es nach Beendigung des Lockdowns Aufholarbeit geben, bei geschätzt 50 Prozent müssten sie wieder von vorn beginnen.

Doch es gibt auch kleine Lichtblicke in der Pandemie. Um den Frust im Lockdown zu mildern, hat sich die Katholische Jugend St. Hedwig etwas einfallen lassen. "Wir wollten den Jugendlichen, die ohnehin schon viel am Bildschirm sitzen müssen, in den Osterferien ein Outdoor-Angebot machen", erklärt Christina Tilmann, Bildungsreferentin der Fachstelle für katholische Kinder- und Jugendarbeit. Natürlich habe die virtuelle Verbindung auch Vorteile, so könnte man etwa ortsunabhängige Angebote schalten, wie Online-Filmeabende mit Diskussionen. "Aber da wir unsere Ferienbetreuung nicht wie geplant anbieten konnten, haben wir flexibel reagiert."

Die Woche Cave-Challenge

Konkret gab es vom 29. März bis 1. April ein Geocaching quer durch Kulmbach per Fuß oder mit dem Rad, und diese Woche wartet eine sogenannte Cave-Challenge auf die Jugendlichen. "Jeder ist aufgefordert, sich zu Hause oder in der Natur eine Höhle zu bauen und uns die Fotos zu schicken." Weitere Informationen dazu unter www.eja-kulmbach.de.