cindy dötschel nnefeld  — Noch Monate später bekommt Renate Gretzbach Gänsehaut, wenn sie sich an manche ihrer Einsätze zurückerinnert: " Ein schwerbehinderter Mann hat gar keinen Anteil mehr an seiner Umwelt genommen. Als er den Hund wahrgenommen hat, hat er plötzlich über das ganze Gesicht gestrahlt", erinnert sich Gretzbach. Der Besuch sei nur einer von vielen gewesen, bei dem sie Tränen in den Augen hatte.

Mehrstufiger Test

Den Besuchshundedienst des ASB Coburg Land gibt es bereits seit 2015. Zu Beginn bestand die Gruppe aus vier Leuten und fünf Hunden. " Zu den Eignungstests für die Hunde mussten wir damals immer nach Forchheim fahren. Mittlerweile dürfen wir die Hunde selber prüfen", erklärt Gretzbach, die von Anfang an mit dabei war. Derzeit sind über 30 Hunde im Einsatz.

Jetzt ist die Gruppe um vier weitere Hunde gewachsen. Auf dem Gelände der Hausgemeinschaft Anna von Henneberg in Sonnefeld mussten die Vierbeiner dafür einen sechsstufigen Test durchlaufen. Im ersten Teil wurde das Verhalten der Hunde gegenüber fremden Personen getestet. "Wir schauen, ob die Hunde sich von Fremden locken lassen und wie sie auf laute Personen reagieren", erklärt Gretzbach.

Anschließend wurden die Hunde mit unerwarteten Umwelteinwirkungen, wie einem platzenden Ballon, einer Person im Rollstuhl und herunterfallenden Gegenständen konfrontiert. "Der Hund darf erschrecken, wichtig ist, dass er nicht aggressiv wird", beschreibt Gretzbach.

Der Charakter des Hundes zählt

Entscheidend dafür, ob der Hund als Besuchshund eingesetzt werden kann, ist auch seine Reaktion auf Körperkontakt und seine Verträglichkeit mit anderen Hunden. "Ob der Hund mit den anderen Gruppen verträglich ist, zeigt sich beim Slalom. Die Hunde laufen hier durch die aufgestellte Reihe der anderen Hunde", schildert Gretzbach.

Das Einsatzgebiet der Besuchshunde ist vielfältig: "Bei Gruppenbesuchen in Seniorenheimen bekommt der Hund einen Plastikwürfel und entscheidet so, was als nächstes gemacht wird", sagt Gretzbach, die meisten Hunde würden auf Kommando würfeln, bei den anderen wird mit einem Leckerli im Würfel nachgeholfen. Bei Einzelbesuchen dürfen die Hunde auch zu den Senioren ins Bett: "Hier eignen sich besonders kleinere Hunde, die sich gerne streicheln lassen."

Die Hunde des Besuchshundedienstes besuchen außerdem regelmäßig die Wefa, das Hospiz sowie Kindergärten und Schulen. "Im Hospiz sieht man die Bewohner meist leider nur einmal, aber sie sind sehr glücklich wenn sie den Hund streicheln können und jemand da ist, mit dem sie reden können", erzählt Gretzbach.

Die Besuche im Kindergarten sollen vor allem dazu dienen, den Kindern zu erklären, wie sie mit den Hunden umgehen sollen. "Wir arbeiten mittlerweile auch mit zwei Schulen zusammen, die regelmäßig Besuch von einem Lesehund bekommen", so Gretzbach.

Kinder, die schlecht lesen und zuhause nicht die nötige Unterstützung bekommen, lesen zehn Minuten lang einem Hund vor. Der Hundeführer korrigiert das Kind nicht und schreitet nur ein, wenn dieses um Hilfe bittet. "Die Lehrer berichten, dass die Kinder früh mit einem Lesezeichen im Buch in die Schule kommen und vorbereitet sind", sagt Gretzbach. Mittlerweile bekommt der Besuchshundedienst so viele Anfragen, dass manche Termine abgesagt werden müssen.

Die Rasse ist nicht entscheidend

"In unserer Gruppe sind alle Hunderassen vertreten - sowohl Rassehunde als auch Straßenhunde", berichtet Gretzbach. Im Gegensatz zur Rasse sei das Wesen des Hundes wichtig: "Der Besitzer muss einschätzen können, was der Hund als nächstes macht und wie er reagiert. Außerdem ist der Besuch einer Hundeschule wichtig." Für die Hundeführer gibt es regelmäßig fachliche Fortbildungen. Erst kürzlich sei eine Altenpflegerin zu Besuch gewesen und habe über Demenz aufgeklärt. "Auch Themen rund um den Hund, wie zum Beispiel Hundephysiotherapie, werden behandelt", berichtet Gretzbach.

Für die Hunde sind die Besuche anstrengend: "Nach ihrem Einsatz sind sie immer platt und wollen sich ausruhen", so Gretzbach. Die Leistung der Hunde würdigen einige Gemeinden des Landkreises durch eine Senkung oder Erlassung der Hundesteuer.

Während der Einsätze sind die Vierbeiner über den ASB versichert. "Die Hundeführer können am Ende des Jahres eine Ehrenamtspauschale von der Steuer absetzen", sagt Gretzbach.