Herzogenaurach — Erst hatten sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Sonst wären die Regionalliga-Basketballer der Turnerschaft Herzogenaurach in ihrem Gastspiel beim FC Bayern München II trotz höchster Personalnot nicht derart böse unter die Räder gekommen. Nicht zuträglich war auch der Umstand, dass die Longhorns bei der Anreise in einer Totalsperre der Autobahn 9 festsaßen, die Bayern wegen des engen Belegungsplans eine andere Halle finden mussten und das Spiel erst mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung losging. Nach dieser Pleite hängen die Herzogenauracher auf dem elften Tabellenrang fest, währen die Münchner (4.) ihre Siegesserie auf nun neun Erfolge am Stück ausbauten.

FC Bayern München II -
TS Herzogenaurach 100:53

Die Geschichte des Spiels ist insgesamt schnell erzählt. Lediglich sechs wackere Aurachstädter, da diesmal neben den Langzeitverletzten auch noch Markus Person und Karen Buniatian ausfielen, kamen nach fast fünfstündiger Fahrt in die Halle und trafen dort auf eine hochmotivierte und komplette Münchner Mannschaft, die von Beginn an mit hundertprozentiger Intensität zu Werke ging. Resultat davon war, dass die Herzogenauracher schon nach dem ersten Viertel mit 23:14 in Rückstand lagen. Positiv war nur Neuzugang Jan Koranda zu vermerken, der acht Punkte erzielte und zeigte, dass die TSH noch viel Spaß an ihm haben wird.
Interessanterweise setzte sich das Spiel im zweiten Viertel genauso fort und endete zudem ebenso mit 23:14. Der 2,12 Meter große Daniel Mayr dominierte dabei die Bretter auf beiden Seiten des Spielfelds. Defensiv blockte er einige Würfe und sammelte Rebound um Rebound, offensiv netzte er in direkter Korbnähe gekonnt ein. Eingesetzt wurde Mayr ein ums andere Mal von Mauricio Marin, der selbst 21 Punkte erzielte und zeigte, dass er nicht zu unrecht gelegentlich im Kader der "großen" Bayern steht. Mit extremer Schnelligkeit und Dynamik zog er immer wieder zum Korb. Vollstreckte er nicht selbst, fand er eben Mayr, welcher dann die Punktegenerierung übernahm. Zur Halbzeit führten die Landeshauptstädter dann schon mit 46:28 und das Spiel war schon so gut wie gelaufen.
Wer jetzt nur ein Fünkchen Ahnung von menschlicher Psychologie hat, kann sich vorstellen, dass eine personell stark dezimierte Gästemannschaft nach langer Fahrt und stundenlangem Stau und solch einen Rückstand zur Halbzeit sicher nicht mehr das Ruder herumreisen kann. Dennoch nutzten die Herzogenauracher das restliche Spiel als eine Art zusätzliches Training, testeten hinten unterschiedliche Verteidigungsvariationen und vorne versuchten sie Neuzugang Jan Koranda weiter in ihr Spiel zu involvieren. Moritz Hüttel gelangen einige sehenswerte Aktionen, aber insgesamt konnte auch er nichts am weiteren Fortgang der Münchner Dominanz ändern. Vor dem Schlussabschnitt stand es 74:39.
In den letzten zehn Minuten lief es dann erst noch einmal besser für die TSH. Ryan DeMichael und Toni Donhauser punkteten unter dem Korb, Julian Patton und Benno Schüpferling übernahmen Verantwortung aus der Distanz. So betrieben die Herzogenauracher noch etwas Ergebniskosmetik. Doch fünf Minuten vor Ende ging den Aurachstädtern dann letztendlich die Kraft aus und sie konnten den Ansturm der Münchner nicht länger standhalten - der Abstand vergrößerte sich wieder. Schließlich endete das Spiel auch in dieser Höhe verdient mit 100:53 und man kann nur hoffen, dass nächste Woche gegen Rosenheim wieder bessere Zeiten anbrechen.
"Nach diesem Stau und gegen diese hervorragende Mannschaft war einfach nichts zu holen für uns. Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen und das Spiel wenigstens als eine intensive Trainingseinheit zu nutzen. Mit Jan Koranda haben wir einen neuen Spielmacher, der sich natürlich erst einmal an unser System und an unseren Spielstil gewöhnen muss", erklärte TSH-Trainer Angelos Plantzas.
Gegen Rosenheim müsse dringend ein Sieg her, um sich von der Abstiegszone fernzuhalten. "Wir hoffen, dass bis dahin wieder Adrian Dlugosch und Mike Kaiser zurückkommen, sodass wir eine wettkampffähige Mannschaft aufbieten können. Wir müssen in dieser schweren Zeit zusammenhalten, dann bin ich mir sicher, dass wir die Trendwende schaffen." pes
TS Herzogenaurach: Koranda (15), Schüpferling (9), Patton (3), Hüttel (6), Donhauser (6), DeMichael (14)