VON stefan sauer

Schweinfurt — Drei Jahre Jugendstrafe für den kleinen, 21-jährigen Spielhallen-Räuber, sechs Jahre nach Erwachsenenstrafrecht für seinen nur elf Monate älteren, großgewachsenen Kumpel und Komplizen. So lautet am zweiten Verhandlungstag das Urteil gegen die beiden wegen besonders schweren Raubes unter Einsatz eines Küchenmessers. Wie berichtet, haben sich die beiden am Abend des 21. Januar dieses Jahres von einer Freundin aus einer Stadt im Landkreis nach Schweinfurt chauffieren lassen und gegen 23.30 Uhr die äußerlich kaum sichtbare Spielothek in der Hadergasse überfallen. Sie warteten, bis der letzte Kunde den Raum verlassen hatte, vermummten sich mit Mützen, Schals und Masken und stürmten in die Spielhalle.
Der 22-Jährige bedrohte die als Aufsicht beschäftigte 45-jährige Frau mit einem alten, 30 Zentimeter langen Küchenmesser, während der jüngere Schmächtige die Kasse öffnete und das Geld ausräumte. Der Große schob die Frau, das Messer in Halsnähe, ebenfalls Richtung Kasse und griff zu. Lediglich 507 Euro in Scheinen und Münzen fielen den Gaunern in die Hände. Dann verließen sie die Spielhalle fluchtartig Richtung Niederwerrner Straße. Wenig später wurde der Jüngere festgenommen - und gestand umgehend den Raubüberfall zusammen mit dem Kumpel verübt zu haben.
Auch bei der Hauptverhandlung räumten die beiden das Verbrechen umfassend ein. Ihre Geständnisse, dank derer sich eine umfangreiche Beweisaufnahme mit zahlreichen Gutachten erübrigte, wurden ihnen bei der Strafzumessung entsprechend angerechnet.
Gleichwohl: Am Tatbestand des besonders schweren Raubes änderte das nichts. Für den Einsatz der Waffe (Messer) verlangt das Strafgesetzbuch relativ hohe Freiheitsstrafen. Mit drei Jahren für den 21-Jährigen - zur Tatzeit noch 20 Jahre und reifeverzögert - entsprach die Kammer dem Antrag des Verteidigers und lag ein Jahr unter dem der Staatsanwältin. Die sechs Jahre Haft für den Älteren hatte auch dessen Anwalt als maximale Strafe beantragt, die Staatsanwältin hielt sieben Jahre für schuldangemessen.
Hier säßen "zwei junge Männer, die ihr Leben bislang nicht in den Griff bekommen haben", sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung, "instabile Persönlichkeiten - dem Konsum von Drogen und Alkohol verfallen." Tatsächlich konsumierte der 22-Jährige nach eigener Angabe bis zu seiner Verhaftung täglich Cannabis und Bier ("Sixpack"). Er hatte auch bei der Tat 1,1 Promille Alkohol in der Blutbahn. In seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei er dennoch nicht eingeschränkt gewesen, so das Gericht. Das Spielhallen-Video habe keine Ausfallserscheinungen gezeigt.


Handys und hippe Klamotten

Der 21-Jährige mit einigen Tausend Euro Schulden, aufgelaufen für Handyverträge und hippe Klamotten, hat im Jugendknast in Ebrach nun die Chance, seine abgebrochene Bäckerlehre erfolgreich zu beenden. Er ist bereits vorbestraft, darunter wegen eines "Diebstahls mit Waffen", wofür er einen Arrest zu verbüßen hatte.
Für den 22-Jährigen hat die Kammer zusätzlich zur Strafhaft die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Seine Drogen- und Alkoholsucht sah sie als wesentlich mitverantwortlich an für die Straftaten, die er bereits zahlreich begangen hat. Sieben Einträge sind es im Bundeszentralregister, darunter auch schon ein Raub. Die Vorstrafen hatte die Kammer zu Lasten der beiden Räuber gewertet.
Die Angeklagten waren bereit, ihr Urteil anzunehmen. Die Staatsanwaltschaft will es sich wohl noch überlegen. Die Anklagevertreterin gab noch keine Erklärung ab.