Coburg — "Rock You Like A Hurricane" - die letzte Zugabe war am Freitagabend kaum verklungen, da hatten es die fünf Bandmitglieder der Scorpions ebenfalls eilig wie ein Hurrikan: Direkt neben der Bühne warteten bereits fünf schwarze Limousinen mit Ingolstädter Kennzeichen. "Ja, es stimmt", bestätigte Gaby Heyder vom zuständigen Veranstaltungsservice Bamberg, "sie haben sich gar nicht erst umgezogen oder frisch gemacht, sondern sind gleich rein in die Autos." Mit Polizei-Eskorte ging es dann so schnell wie möglich raus aus der Coburger Innenstadt in Richtung Hannover beziehungsweise Frankfurt.


Limousinen für die Stars

Auf den ersten Blick wirkte diese Abreise, die ja eher wie eine Flucht aussah, etwas befremdlich: Immerhin war seit vielen Monaten geplant, dass die Scorpions die Nacht in einem edlen Hotel in Bamberg verbringen. Relativ spontan, so war zu hören, hätten sich die Musiker dann anders entschieden und die Limousinen - ausdrücklich in der Long-Version - geordert: Zwei Limousinen, und zwar die für Sänger Klaus Meine sowie Gitarrist Rudolf Schenker, düsten direkt in deren Heimatstadt Hannover. Die drei anderen Bandmitglieder wurden in ein Nobelhotel in Frankfurt am Main gebracht.
Auf den zweiten Blick hatte aber allen voran Gaby Heyder durchaus Verständnis für diese Extrawünsche. "Die Jungs sind gerade erst von einer langen Tour durch Asien zurückgekommen und bestimmt froh, jetzt mal wieder in Deutschland und somit in der Nähe ihrer Familien zu sein." Sprich: Für einen Veranstalter mögen solche kurzfristigen Änderungen anstrengend sein, aber weil letztlich das ganze Business anstrengend ist, wird so etwas recht locker in Kauf genommen.


So reagiert Hubert von Goisern

Apropos locker: Gaby Heyder plauderte dann auch noch etwas aus dem Nähkästchen, was Hubert von Goisern betrifft. Der österreichische Sänger, der am Donnerstag mit Band und Crew gemeinsam in einem großen Bus an- und abgereist war, hatte sich für den Nachmittag vor seinem Konzert ein Tageszimmer gewünscht, in dem er sich - etwa zwei Stunden - noch etwas ausruhen und frisch machen kann. Der Veranstaltungsservice hatte daraufhin ein Zimmer in Coburgs bestem Hotel am Platze gebucht.
Doch als Hubert von Goisern am Schlossplatz eingetroffen war und erfuhr, wie weit entfernt besagtes Hotel liegt, entschied er, dieses Zimmer nicht aufzusuchen. "Er ist dann in das Zimmer eines benachbarten Gasthauses gegangen, das wir eigentlich nur als sogenanntes Duschzimmer für unsere Mitarbeiter reserviert hatten", erzählt Gaby Heyder und muss angesichts der Tatsache, dass Hubert von Goisern völlig zufrieden mit dem ganz einfachen Zimmer war, schmunzeln: "Ja, so unterschiedlich können die Musiker sein, die bei uns auftreten!" Oliver Schmidt