Als Vorgeschmack auf die Sonderausstellung "Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land" mit einem Ausstellungsteil zum Baderwesen in Franken, die im Jahr 2020 zu sehen ist, stellt das Fränkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken eine kleine Geschichte der Hygiene auf dem Land in sechs Stationen vor. In dieser zweiten Station beschäftigt uns die Frage: Was taten die Menschen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, um Krankheiten und Gesundheitsschäden zu verhüten? Der Blick zurück zeigt, dass der Hygiene-Begriff und die Vorstellung von der richtigen Gesundheitsvor-sorge einem tiefgreifenden Wandel unterlagen.

Im Spätmittelalter gab es ein immer dichter werdendes Netz von öffentlichen Badstuben, in denen Schwitz- und Wannenbäder angeboten wurden. Nicht nur Reiche, sondern auch das Gesinde ging regelmäßig in die Badhäuser, um sich gesund zu erhalten.

In den Hausbüchern der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung aus Nürnberg finden sich die gängigen Handwerke dargestellt. Auch einige Bader sind abgebildet. So sehen wir den Bader Wolff Geigenfeindt mit einem Badegast. Beide haben ihre Kleider abgelegt und tragen nur die sogenannte "Bruch", eine Art Unterhose. Denn in der Badstube vor dem mächtigen Schwitzofen ist es heiß. Ein blaues Gewand und ein Hut hängen an der Wand. Zum Schutz ihrer Köpfe tragen Bader und Badegast Badehüte aus Stroh. Links sieht man in der rundbogigen Öffnung des Ofens die Badsteine. Sie wurden erhitzt und dann zur Dampferzeugung mit Wasser übergossen, also ganz ähnlich wie das heute in der Sauna üblich ist.

Es war ein ziemlicher Auf-wand, den Schwitzofen mit großen Mengen Holz zu beheizen. Die Badstube auf dem Bild hat ein mit Butzenscheiben verglastes Fenster und einen mit Platten ausgelegten Fußboden, war also in einem durchaus respektablen Gebäude untergebracht.

Der Bader ist gerade dabei, den auf einer Bank sitzenden Badegast zu schröpfen. Beim blutigen Schröpfen ritzte der Bader die Haut zunächst an. Dann setzte er den zuvor über einem Öllämpchen erwärmten Schröpfkopf auf. Durch den entstehenden Unterdruck saugte sich der Schröpfkopf fest und entzog der Haut kleine Mengen Blut.

Das Konzept der "Säftelehre"

Ziel des Schröpfens wie auch des Schwitzens war es, schlechte oder überflüssige "Körpersäfte" loszuwerden. Man nannte das auch "die Säfte reinigen". Die Säftelehre als das dahinterstehende Gesundheits- und Krank-heitskonzept basiert auf den Lehren der griechisch-römischen Medizin des Hippokrates und Galens - und hielt sich bis ins 18. Jahrhundert. Auf den Hippokratischen Eid, der Grundlagen medizinischen Handelns formuliert, bezieht sich bis heute die Ethik der Medizin.

Die antike Philosophie ordnete den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft be-stimmte Qualitäten zu. Die zugehörige Krankheitslehre übertrug dies auf die "Körpersäfte": Das Blut galt so wie die Luft als warm und feucht, der Schleim wie das Wasser als kalt und feucht, die gelbe Galle wie das Feuer als warm und trocken und die schwarze Galle wie die Erde als kalt und trocken.

Krankheit wurde gedeutet als ein Ungleichgewicht der Körpersäfte, Gesundheit als Gleichgewicht der Säfte. Ziel aller Gesundheitspflege musste es damit sein, das Gleichgewicht der Säfte zu erhalten oder wiederherzustellen. Das konnte durch ver-schiedene ausleitende Verfahren geschehen: durch schwitzen und schröpfen, aber auch durch den Aderlass oder die Gabe von Abführmitteln.

Wie sehr die Säftelehre auch das Verständnis der Bäder prägte, zeigt sich schon bei Hildegard von Bingen (1089 - 1179), die über das Schwitzbad schreibt: "Wer aber fettes Fleisch hat, dem ist das Schwitzbad gut und nützlich, weil er die Säfte, die in ihm überflüssig sind, durch dasselbe einschränkt und verringert." Der Badhausbesuch war Teil einer umfassenden Hygiene, zu der auch Maßnahmen wie z.B. eine bestimmte Ernährung gehörten.

Ablauf eines Badhausbesuches

Derzeit baut das Fränkische Freilandmuseum das 1450 errichtete Badhaus aus Wendelstein bei Nürnberg wieder auf. Am Gebäude kann man nachverfolgen, wie der Besuch in einem ländlichen Badhaus abgelaufen ist. Zuerst entkleideten sich die Badegäste in der mit einem Kachelofen beheizten Umkleide- oder "Abziehstube".

Dann ging es vorbei am Schürraum und der Wasserversorgung in die eigentliche Bads tube. Dort wuschen Bademägde die neu ankommenden Gäste mit Lauge ab. Dann setzten sich die Badegäste auf die an der Wand neben dem Ofen stufenweise ansteigenden Schwitzbänke.

Zum Baderitual gehörte das sogenannte "Reiben": Zur Steigerung der Durchblutung der Haut bearbeitet ein Badeknecht oder der Badegast selbst seine Haut mit Büscheln aus Eichenlaub. Der beim Übergießen der Badsteine im großen Ofen immer wieder neu entstehende Dampf brachte die Badegäste richtig ins Schwitzen. Dazwischen erfolgten Abgüsse mit immer kälter werdendem Wasser. Die wohlhabenderen Kunden des Baders konnten als Zusatzangebot in der Wanne baden.

Im Wendelsteiner Badhaus war dazu durch eine hölzerne Trennwand vermutlich ein eigener Wannenbadbereich von der übrigen Badstube abgeteilt. Dort standen wohl einst hölzerne Badebottiche bereit, und vielleicht war das auch der Ort für Haarwäsche sowie Bart- und Haarschnitt als weitere Dienstleistungen des Baders, die einen Badhausbesuch abrundeten. Dessen Reiz bestand freilich auch im geselligen Austausch mit den anderen Badegästen auf den Schwitzbänken.

Brennholz wurde zu teuer

Ab dem 16. Jahrhundert begann ein allmählicher Niedergang der Schwitz- und Wannenbäder in öffentlichen Badstuben. Verschiedene Ursachen haben zu diesem Niedergang beigetragen: Das für die mächtigen Schwitzöfen in großen Mengen benötigte Brennholz wurde immer teurer, während zugleich die Einnahmen für die Bader sanken, da immer mehr Bürger sich eigene kleine Badstübchen in ihre Privathäuser einbauen ließen. Der Badstubenbetrieb wurde also zum Leidwesen der Bader immer unrentabler. Zudem hielt die Angst vor Ansteckung vor der grassierenden Syphilis so manchen Besucher ab.

Den Badern blieb aber weiter ihre wichtige Aufgabe als nichtakademische Heiler und Wundärzte, vor allem in den Dörfern, wo es noch lange keine studierten Ärzte gab. red