Die Schweinehaltung wird sich in den kommenden Jahren extrem verändern. Davon geht Rüdiger Strobel von der gleichnamigen Landmetzgerei im Selbitzer Gemeindeteil Dörnthal aus. "Die Entwicklung wird weg von der Masse und dafür hin zur Klasse gehen", sagt Strobel, der vor Jahren mit seinen Strohschweinen bekannt wurde.

Bei einem Meinungsaustausch mit dem Kulmbacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und Ferkelerzeuger Wilfried Löwinger auf dem Betrieb von Udo Köhler, ebenfalls Ferkelerzeuger, in Zettlitz bei Gefrees sagte Strohschweinmetzger Strobel voraus, dass der typische Kunde der Zukunft nur noch ein- bis zweimal pro Woche Fleisch genieße, dafür aber dann ein Topprodukt für sich in Anspruch nehmen möchte. Den breiten Markt werden nach seiner Einschätzung Billigimporte von Tieren abdecken, die nicht aus Deutschland stammen. Auch Insektenfleisch oder sogenanntes "Clean Meat", also künstlich erzeugtes Fleisch aus dem Labor, sei denkbar. Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre sei der Fleischkonsum ohnehin bereits deutlich zurückgegangen. Denkbar sei auch, dass im Vergleich zum jetzigen Stand in zehn bis 15 Jahren nur noch halb so viele Schweine aus Deutschland kommen.

Dem pflichtete der Kulmbacher Kreisobmann Wilfried Löwinger bei. So seien bei der letzten Herbstzählung zehn Prozent der Tiere und eineinhalb Prozent der Halter weniger gezählt worden als noch vor Jahresfrist. "Früher war es stets anders herum", so Löwinger. "Viele Betriebe hören derzeit auf; das zeigt, wir gehen einem echten Strukturwandel entgegen."

Als Gründe für die Fleischmisere nannte er den zurückgegangenen Fleischverbrauch aufgrund von gestiegenem Gesundheitsbewusstsein und einer wachsenden Zahl von Vegetariern und Veganern. Allerdings ist Löwinger überzeugt davon, dass allen Ideologien zum Trotz auch in Zukunft hierzulande Fleisch verzehrt werde. shf