Mit einem frisierten Roller war ein 21-jähriger Arbeiter aus dem Fichtelgebirge auf der Kreisstraße bei Wirsberg unterwegs, als er am 14. September 2020 in eine Polizeikontrolle geriet. Dabei mussten die Beamten feststellen, dass der 21-Jährige gar keinen Führerschein besaß und der Roller auf seinen Vater zugelassen war. Also fand sich der Vater jetzt auf der Anklagebank wieder. Der Vorwurf: Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Er habe überhaupt nichts davon geahnt, sagte der 53-jährige Mann. Bis zum Anruf der Polizei habe er nicht gewusst, dass ein Kleinkraftrad auf seinen Namen zugelassen war. Vater und Sohn räumten ein, dass ihr Verhältnis damals nicht gerade das allerbeste war und es um die Kommunikation schlecht bestellt war. Trotzdem hätte ja zumindest eine Vollmacht für die Zulassung des Rollers vorliegen müssen. Doch gerade die gab es nicht. Er habe immer wieder mal Kleinkrafträder an- und abgemeldet, aus Kostengründen auch auf den Namen des Vaters, räumte der Sohn unumwunden ein. Sein Versicherungsvertreter habe keine Vollmacht verlangt.

"Man kennt sich ja schließlich", gab der Sohn zu Protokoll. Den Roller habe er auch nur deshalb auf die Schnelle angemeldet, um auf die Arbeit zu kommen.

Der Vater war damit fürs erste aus der Nummer raus. "Normalerweise müsste der Versicherungsvertreter hier auf der Anklagebank sitzen und nicht ich", schimpfte er. Der Vertreter hätte ihn anrufen und informieren müssen. Zwischenzeitlich habe er den Vertreter auch schon zur Rede gestellt, aber der habe sich herausgeredet.

So ganz wollte sich Richterin Sieglinde Tettmann damit aber nicht abfinden. "Als Fahrzeughalter sind schließlich Sie dafür verantwortlich", sagte sie zum Angeklagten. "Aber wie soll ich denn reagieren, wenn ich gar nichts davon weiß", entgegnete der. Bezahlt worden sei die Versicherung ja schließlich auch vom Sohn, der im Übrigen schon mehrere Verkehrsdelikte auf dem Kerbholz hatte und deshalb wohl gar nicht so scharf auf eine Anmeldung unter seinem Namen war.

Die Richterin will es deshalb jetzt genau wissen. Sie setzte die Verhandlung erst einmal aus und ordnete an, dass die Polizei den Versicherungsvertreter vernehmen soll. Bestätigt er die Angabe so, wie vom angeklagten Vater vorgetragen, wird das Verfahren ohne irgendwelche Auflagen eingestellt. Sollte der Vertreter einen anderen Sachverhalt schildern, wird das Verfahren wegen Zulassens des Fahrens ohne Fahrerlaubnis wieder aufgerollt. shf