In einem Strafprozess am Haßfurter Amtsgericht wegen Schwarzfahrens gab es nach der Beweisaufnahme zwar gewichtige Indizien, die der Amtsrichterin Ilona Conver aber nicht für eine Verurteilung ausreichten. Von daher wurde die Verhandlung abgebrochen - mit der Maßgabe, dass sie am 1. Dezember fortgesetzt wird. Dann soll im Zuge der Aufklärung des Sachverhalts ein Zeuge vernommen werden, der diesmal unentschuldigt fehlte. Angeblich jedoch ist genau dieser Zeuge zwischenzeitlich in sein Heimatland Rumänien zurückgekehrt.
Angeklagt war ein 23-jähriger rumänischer Staatsbürger, der seit rund fünf Jahren im Haßbergekreis lebt und hier arbeitet. Er ist in der Schweinfurter Großindustrie beschäftigt und in der Wechselschicht eingeteilt.


Erheblich vorbelastet

Laut Staatsanwaltschaft wird dem EU-Ausländer vorgeworfen, dass er heuer am 1. Juni um die Mittagszeit seinen schwarzen BMW steuerte, obwohl er zu diesem Zeitpunkt keine Fahrerlaubnis besaß. Warum ihm sein "Lappen" abgenommen wurde, war nach der Verlesung seiner Einträge aus dem Fahreignungsregister offensichtlich: Bereits fünf Mal hat man ihn mit einer überhöhten Geschwindigkeit geblitzt.
Unter anderem stoppte ihn die Polizei auf der Zeiler Straße in Haßfurt, wo er statt der erlaubten 50 mit 84 Stundenkilometern durchbrauste. Nachdem ihm bereits 2015 die Fahrerlaubnis entzogen worden war, erwischte man ihn am 29. Dezember 2015 schon einmal beim Schwarzfahren. Dafür erhielt er eine Strafe von 1050 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Von daher stellt sich die Frage, ob es sich bei dem Angeschuldigten um einen Wiederholungstäter handelt.


Polizisten sind sich sicher

Nacheinander wurden zwei Polizeibeamte in den Zeugenstand gerufen. Sie erklärten übereinstimmend, den Mann am Steuer seines BMW auf dem Bahnhofsvorplatz erkannt zu haben. Er habe dabei allein in dem Wagen gesessen. Als sie dann mit ihrem VW-Polizeibus wendeten, um ihn zu kontrollieren, sei das Fahrzeug in Richtung Oberer Turm verschwunden. Sie verfolgten ihn zwar, konnten das schnelle Auto aber nicht einholen. Beide Polizisten waren sich hundertprozentig sicher, den Temposünder erkannt zu haben.
Der ohne Anwalt erschienene Mann beteuerte, dass er damals nur zum Kiosk gelaufen sei, um Zigaretten zu holen. Gefahren sei ein Landsmann von ihm, sagte er. Der Beschuldigte bestand vor dem Amtsgericht darauf, dass dieser Mann vernommen werden soll.
Dieses Ansinnen wertete die Gerichtsvorsitzende als Beweisantrag. Und da es nach der Strafprozessordnung keinen Grund dafür gab, diesen Antrag abzulehnen, unterbrach Ilona Conver die Verhandlung und setzte den neuen Termin fest.
Dem Angeklagten wurde anheimgestellt, dafür zu sorgen, dass dann sein Entlastungszeuge auch vor Gericht erscheint. Aber wenn der Mann tatsächlich nach Rumänien gereist ist, erscheint dies eher unwahrscheinlich.