Philipp Schneider sprüht dieser Tage nur so vor Tatendrang. Seitdem seine Frau im vergangenen Jahr auf dem Golfplatz beinahe einen Ball an den Kopf bekommen hat, ist der 37-Jährige mit dem Vorhaben befasst, einen passenden Schutz für Golfer zu entwickeln - und weltweit auf den Markt zu bringen. Mittlerweile vertreibt sein Würzburger Start-up safetee technologies eine spezielle Cap mit einem, laut Schneider, unkaputtbaren Innenleben.

Knapp 46 Gramm ist ein Golfball schwer, bei Profis erreicht er in der Spitze eine Geschwindigkeit von über 300 Kilometern pro Stunde. Das Innenleben der Mützen soll "bis zu 87 Prozent der Kräfte eines Golfballs" abfangen, wirbt der Gründer, während er in seinem Büro im Würzburger Skyline Hill Center die Flugkurve eines Balls auf ein Blatt Papier zeichnet. "Beim Aufprall ist er immer noch 60 bis 80 km/h schnell." Ein Querschläger könne zu schweren Kopfverletzungen führen. Einen Helm wolle laut Schneider allerdings kein Golfer tragen.

Schreien als Warnruf

Die aktuell verbreitetste Methode, um einen Unfall beim Golfspielen zu verhindern, ist, dass derjenige, dem der Abschlag missraten ist, laut schreit. Diesen Warnruf nennt man Fore. Doch das hat seine Tücken. Denn nicht immer wird er abgesetzt, teilweise schlecht gehört - oder kommt zu spät. "Dass ein Spieler oder auch ein Zuschauer von einem Golfball getroffen wird, geschieht häufiger als man denkt", sagt Schneider und erzählt von einem großen Ryder-Cup-Turnier, bei dem im Herbst 2018 eine französische Zuschauerin durch einen Kopftreffer ihr Augenlicht verlor.

Der Gründer hat sich intensiv mit der Thematik befasst und herausgefunden, dass in den USA jährlich 40 000 Unfälle auf Golfplätzen auftreten, weltweit sogar über 100 000. Vorkehrungen wie Stoppnetze oder Warnrufe könnten diese nicht immer verhindern. "Wir wollen mit unserer Lösung den Golfsport noch sicherer machen", sagt der gebürtige Schwabe.

Kappen aus China

Mehrmals war der gelernte Bürokaufmann, der zuvor bereits im E-Commerce-Bereich tätig war, noch vor dem Lockdown in China, um die Kappen-Produktion anzuleiern. Die eigentliche Innovation sei allerdings das Innenleben. In ganz Europa habe man sich umgesehen, sagt Schneider. Letztlich lag das Gute so nahe: "Durch Zufall bin ich auf einen kleinen, spezialisierten Betrieb nahe meiner Heimatstadt Ludwigsburg gestoßen, der Sicherheitstools für BMW produziert." Zusammen entwickelte man ein herausnehmbares, atmungsaktives Insert.

Schutz für Kinder

Die Schildmützen sollen den Kopfbereich auch vor schwingenden Schlägern schützen. Das sei vor allem im Jugendbereich ein großes Thema. "Dort golfen häufig viele Kinder unterschiedlichen Alters nebeneinander", erklärt Schneider, "Dadurch kann es schnell passieren, dass der Schläger bei den Ausholbewegungen ein Kind trifft." Die Cap könne zumindest den oberen Kopfbereich davor schützen. Sein Start-up sei mit vielen Jugendabteilungen der Golfvereine in Kontakt. "Im nächsten Jahr starten wir auch eine bundesweite Jugendgolf-Schutzkampagne."

Die USA stellen indes alles andere in den Schatten, was diesen Sport angeht. "Mit 17 000 Golfanlagen und etwa fünf Millionen Kindern, ist das der Fokusmarkt, in welchen wir 2022 einsteigen", sagt der Wahl-Würzburger. Ebenso fänden dort die am hochkarätig besetzten Turniere mit bis zu 600 000 Zuschauern an vier Turniertagen statt. Genau dorthin will es das Start-up als Ausstatter schaffen. "Das wäre für uns ein großer Image-Gewinn", bekräftigt Schneider. Und ein lukrativer noch dazu: "Für die großen Sponsoren wäre es ein Leichtes, alle Helfer und Zuschauer mit einer solchen White-Label-Cap auszustatten."

In Orlando am Lake Nona schlägt safetee technologies demnächst auch eine eigene Niederlassung auf - nahe seiner US-amerikanischen Investoren, die eine Verbindung zur Adidas-Familie haben, und wichtiger Akteuren der Golfszene in den Vereinigten Staaten.

Neue Idee: "Anstoßkappen"

Und Schneider hat noch mehr Ideen: safetee will mit "Anstoßkappen" auch den Arbeitsbereich erobern. Sie sollen demnach dort zum Einsatz kommen, wo kein Helm verpflichtend vorgeschrieben ist, aber trotzdem die Gefahr von Kopfverletzungen besteht - beispielsweise an Flughäfen oder in der Kfz-Herstellung.