Im Jahre 1633 wurde Höchstadt von den Schweden während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet. Nur acht Familien überlebten die Bluttat. 1639 unternahmen Höchstadter erstmals eine Wallfahrt zum unterfränkischen Pilgerort Dettelbach. Höchstadt zählte damals zum Bistum Würzburg. Dort legten die Höchstadter Wallfahrer ein Gelöbnis ab, alljährlich den Pilgerweg Richtung Dettelbach einzuschlagen, damit die Stadt nie mehr zerstört werde. Tatsächlich blieb Höchstadt selbst in den Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkrieges vor einer Zerstörung oder Bombardierung verschont. Die Einschüsse und die Übernahme der Stadt durch die Alliierten liefen für die Höchstadter glimpflich ab.

Im vergangenen Jahr fand bereits die 380. Dettelbacher Wallfahrt statt. 22 Mal in seinen 24 Amtsjahren als Bürgermeister von Höchstadt sprach bei der Wallfahrt Gerald Brehm die Gelöbniserneuerung vor dem Altar der Dettelbacher Wallfahrtskirche.

Zusammen mit Stadtpfarrer Kilian Kemmer unternahm Höchstadts vor einer Woche wiedergewählter Bürgermeister jetzt gerade noch rechtzeitig vor der Ausgangsbeschränkung eine Wallfahrt, um das Höchstadter Gelöbnis in der Zeit von Corona zu wiederholen.

Wie Brehm betont, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, wie er bei der Kreistagswahl abgeschnitten hat, weil seit seiner Wiederwahl vergangenen Sonntag das Thema Corona, mit allen Schutz- und Vorbeugemaßnahmen, ihn ganz in Beschlag genommen hat. Zugleich ist er davon überzeugt, dass man nicht alles selbst steuern und machen kann. "Halte deine schützende Hand über unsere liebenswerte Stadt Höchstadt und segne besonders unsere Kinder und deren Zukunft", lautete eine Bitte des mehrseitigen Gelöbnisses, das Gerald Brehm im Rahmen einer Andacht ablegte.

Für Stadtpfarrer Kilian Kemmer war es "ein ganz seltsames Gefühl, ohne eine große Pilgerschar in die Dettelbacher Kirche einzuziehen". Sonst pilgern bei der jährlichen Gelöbniswallfahrt mehrere 100 Menschen von Höchstadt aus nach Dettelbach. Für den Schutz vor der Pandemie brauche es Vorsicht, Rücksicht, Hygiene und Verantwortung, doch "ohne den da oben geht gar nichts, so oder so", meint der Stadtpfarrer. red