von unserem Redaktionsmitglied 
Marco Meissner

Kronach — Eine Handvoll angehender Köche rührt in der Küche der Lorenz-Kaim-Berufsschule in Töpfen und Pfannen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden ihnen mehr als zwei Dutzend "Topfgucker" dabei über die Schulter schauen. Nicht um selbst zu besseren Köchen zu werden, sondern um die Arbeit der Küchenprofis einschätzen zu können. Schließlich müssen die künftigen Schüler der neuen Tourismusschule Franken wissen, welches Personal zum Beispiel für ein Event oder den Betrieb eines Hotels notwendig ist.
Derzeit arbeiten die Lehrkräfte und die Schulverwaltung der Berufsschule daran, das richtige Rezept für die erste Klasse der Tourismusschule zu finden. Und Schulleiter Rudolf Schirmer ist überzeugt, dass man den jungen Leuten einen Leckerbissen für das Schuljahr 2014/15 abschmecken wird.
"Wir haben zunächst eine kleine Arbeitsgruppe gebildet", blickt Schirmer auf den Spätsommer 2013 zurück, als grünes Licht für die Tourismusschule gegeben wurde. Seither wurden viele Hebel in Bewegung gesetzt, denn "wir haben eine gewisse Gestaltungsfreiheit bei dieser Schule. Die wollten wir so ausnutzen, dass sie wirklich ein oberfränkisches Gesicht bekommt".
Damit die richtigen Zutaten für die neue Schule in den Topf kommen, hat die Schulleitung alle an den Tisch geholt, die auf Bezirksebene maßgeblich für den Tourismus sind: die drei Tourismusverbände, die Geschäftsführer der Bäder-/Kurhotels sowie den Hotel- und Gaststättenverband. Außerdem hat man in der Wirtschaft nach Premiumpartnern gesucht, die zu einer praxisnahen Ausbildung beitragen können. Hier nennt Schirmer unter anderem den Golf-Club Kronach, das Hotel Bauer oder die Confiserie Burg Lauenstein. Ein Beispiel ist auch die Lichtenfelser EDV-Firma Ziel, die der Schule Zugang zu einer Software ermöglicht, die laut Schirmer in der Branche führend ist und das Arbeiten mit echten Datenbanken - zum Beispiel für die Buchung von Flügen - ermöglicht. "Das holt die Realität an die Schule", unterstreicht er die Möglichkeit, auf diese Weise komplexe Buchungsvorgänge zu erlernen. Für die kaufmännische Ausbildung sei das sehr wichtig. Und Lehrer Stefan König stellt zu den Premiumpartnern klar, dass sie nicht nur eine bessere Ausbildung ermöglichen: "Sie bieten auch die Möglichkeit für Praktika oder hinterher vielleicht sogar für Jobs." Deshalb sind die beiden ebenso wie Lehrerin Anja Schlund froh, dass die Akzeptanz der Schule riesig ist. "Es reicht bis Bamberg und Hof, von wo namhafte Betriebe Kontakt mit uns aufnehmen."
Dass eine solche, in der Region völlig neue Einrichtung wie die Tourismusschule - die nächste gibt es in der Oberpfalz - in gewisser Weise zum Erfolg verurteilt ist, ist Schirmer klar. Aber die Entwicklung lässt ihn nicht daran zweifeln, dass in der Berufsschule ein richtiges Schmankerl am Kochen ist.