Das Deutsche Schustermuseum dokumentiert seit nunmehr 25 Jahren die Geschichte der Schuhindustrie im fränkischen "Pirmasens". In ihrer Blütezeit haben bis zu 2300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den "Schuhbudn" 12 000 Paar Schuhe täglich hergestellt. Die Erinnerung an diese Leistung bewahrt das Schustermuseum, das sich im Anwesen Marktplatz 1 befindet.
Nur dem vorausschauenden Weitblick und dem großen Engagement und Sachverstand der Gründerväter Rudolf Barth und Elmar Bergmann sei es zu verdanken, dass dieser wichtige Teil der Burgkunstadter Geschichte heute so umfassend dokumentiert werden könne, sagte Bürgermeisterin Christine Frieß.


Weiteres Puzzleteil

Sie freute sich, dass sie der Museumssammlung ein weiteres Puzzleteil hinzufügen konnte, denn Robert Püls, der letzte noch lebende Inhaber der ehemaligen Schuhfabrik, hatte ihr zu Beginn der Veranstaltung ein deutsch-englisches Fachbuch der Schuhtechnik, ein "Technisches Wörterbuch für die Schuh-Industrie" übergeben.
Von Begeisterung und Beharrlichkeit geleitet waren die Gründerväter des Schustermuseums, als sie bereits in den 1970er Jahren die Gründung eines Museums anregten. Doch das Interesse daran war zu diesem Zeitpunkt eher gering, denn die Schuhindustrie war ja noch intakt, berichtete Sabine Heppner, die Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer des Deutschen Schustermuseums. Im Jahr 1985 haben sich der amtierende Bürgermeister und der Stadtrat dann doch dazu durchgerungen. Zu der Zeit hatten die Firmen Hühnlein und Püls bereits die Produktion eingestellt. Es stellte eine riesengroße Zäsur dar, als am 26. März 1990 das letzte Paar Schuhe bei der Firma Obermain vom Band lief. Ausgerechnet in jenem Betrieb, auf dessen Gründer Joseph Weiermann die Schuhindustrie in Burgkunstadt zurückgeht. Im Anwesen Marktplatz 1 wurde das Schustermuseum am 9. März 1991 eröffnet. Auf drei Etagen werden dem Besucher seither sowohl die handwerkliche wie auch die maschinelle Fertigung von Schuhen anschaulich gezeigt.
Zur Auflockerung erzählte Vorstandsmitglied Rudi Fetzer kleine "Schuhmacher-Gschichtla" aus dem Leben der Schuster, wie sie sich in seiner Kinderzeit zugetragen haben. Eine Anekdote aus dem Jahr 1961 ist in der Historie der Schuhfabrik Püls fest verankert. Als am 19. August 1961 der damalige US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson den Westteil Berlins besuchte, hatte er für ein Staatsbankett die passenden Schuhe daheim vergessen. Schuhe der Größe 47,5 waren in Berlin nicht aufzutreiben. Um die Mittagszeit erhielt Robert Püls, der Leiter der Schuhfabrik, einen verzweifelten Anruf aus Berlin. Eilends trommelte er einige Arbeiter zusammen, und gemeinsam schafften sie es tatsächlich, innerhalb kürzester Zeit ein Slipper-Paar anzufertigen.
Mit dem Flugzeug trafen die Schuhe noch rechtzeitig zum Empfang ein. Noch in seiner Zeit als US-Präsident (1963 bis 1969) bestellte er jährlich einige Paar Slipper in Burgkunstadt, die ins Weiße Haus nach Washington geliefert wurden.