Alle rund 150 Mädchen und Jungen der Waldorfschule im Kulmbacher Land hatten täglich mit den Artisten des Circus Luna trainiert. Bei zwei Aufführungen zeigten sie dann im Zirkuszelt auf dem Schulgelände in Veitlahm ihr Können. Im roten Schottenrock war Alex Keulicht einer der Clowns. "Am schwierigsten war es, nicht zu lachen", sagt der Sechstklässler. Wenn Zirkusdirektor Peter Bethäuser sein Taschentuch nicht fand, schnäuzte er sich in den Rock des Zwölfjährigen. Tollpatschig und immer einen frechen Spruch auf den Lippen füllten die Clowns die Pausen zwischen den einzelnen Nummern.

"In der Zirkuswoche hab' ich viel über Clowns gelernt und dass man gut vorbereitet sein muss", sagt Alex Keulicht.

Ausgelassen ging es in allen Trainingsgruppen zu, ob nun Figuren am Trapez, Trampolin oder am Luftring geübt wurden, ob Pyramiden gestellt, auf der Laufkugel trainiert oder Nummern mit Feuer oder Schwarzlicht einstudiert wurden.

"In dieser Woche haben die Schüler riesige Fortschritte gemacht", lobt Zirkusdirektor Peter Bethäuser. Doch in erster Linie sei es um etwas anderes gegangen: "Die ganze Schule hat etwas zusammen gemacht: Die Großen und die Kleinen. Das war in den letzten zwei Jahren wegen Corona nicht möglich."

"Jeder hat etwas beizutragen"

Auch Franziska Bartels, die Klassenlehrerin der 6. Klasse, sagt: "Endlich war wieder das zu spüren, was unsere kleine Waldorfschule ausmacht: Wir sind eine Schulgemeinschaft, in der jeder etwas beizutragen hat." Das spürte man bei den Aufführungen: Ob Erstklässler oder Zehntklässler - die jungen Künstler, die aus den Landkreisen Kulmbach, Kronach, Bayreuth, Lichtenfels sowie Bamberg kommen, wurden während ihrer Kunststücke mit Klatschen begleitet und erhielten tosenden Applaus. Auch die Erst- und Zweitklässler, die auf dem Drahtseil liefen, genossen ihren großen Auftritt.

Ganz neue Talente an sich entdeckt

"Ich bin glücklich, dass ich das Seillaufen im Zirkus aufführen kann", sagt Hannah Brennig. "Der Knicks auf dem Seil war am Anfang schwer, aber es hat großen Spaß gemacht." Bei der Aufführung lief die Siebenjährige dann sogar rückwärts über das Seil. Einige Figuren zeigte sie auch gemeinsam mit ihren Klassenkameraden.

Bereits zum dritten Mal stellte der Circus Luna neben der freien Grund- und Mittelschule Wernstein sein Zirkuszelt auf, und es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein. "Bei der Zirkuswoche entdecken die Schüler ganz neue Talente an sich und die meisten sind nach der Aufführung sehr stolz", sagt Lehrerin Franziska Bartels.

Die achtjährige Amélie Zieher, die mit ihren Klassenkameraden auf Zirkusdirektor Peter Bethäuser herumturnte und Purzelbäume schlug, meint begeistert: "Am Anfang hab' ich mich nicht viel getraut. Aber jetzt hab' ich keine Angst, wenn ich auf den Händen von Peter stehe." Und für Clown Alex Keulicht steht fest: "Es war schwer, aber schön. Vor allem wenn man in die strahlenden Gesichter der Zuschauer sieht." red