Langsam quillt Blut aus Antje Vondrans Fingerkuppe. Eine Kamera filmt es, überträgt das Bild live: 50 Jugendliche haben gerade zugesehen, wie die Dozentin ihren Finger desinfizierte und dann eine sterile Lanzette hineinstach. Langweilig ist es im Schülerforschungszentrum nie - auch wenn die Praktika und Workshops wegen Corona derzeit nicht in den Laboren stattfinden, sondern online. Das Schülerforschungszentrum ist ein Projekt der Technologie-Allianz-Oberfranken TAO, das es Schülern ermöglicht, an den vier oberfränkischen Hochschulen und Universitäten Coburg, Hof, Bamberg und Bayreuth Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten zu bekommen. "Gedacht ist es für Acht- bis Zwölftklässler - aber diesmal hatten wir auch eine Zehnjährige dabei. Sie wollte es so sehr."

Vondran lehrt Bioanalytik an der Hochschule Coburg und beschäftigte sich auch vor Corona schon intensiv mit Online-Lehre. Ihre Erfahrungen brachte sie jetzt in das Konzept ein, das ihre Kollegin Marina Stang für das Schülerforschungszentrum entwickelt hat. Der Bachelor-Studiengang beteiligt sich seit Jahren daran. "Mit Unterstützung der TAO haben wir jetzt digitale Mikroskope angeschafft", erklärt Studiengangsleiter Prof. Matthias Noll, "das hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Schüler-Praktikum in digitaler Form so gut gelingen konnte."

Mit Forscherblut

An den Bildschirmen hingen fast fünf Mal so viele Jugendliche wie vor Corona, als die Veranstaltungen im Labor vor Ort stattfanden. Sie kamen von der FOS und den Gymnasien in Coburg, Neustadt bei Coburg und Lichtenfels, aus Bayreuth, Kulmbach und Forchheim. Um die Organisation hatte sich Biologielehrer Stefan Gagel vom Neustadter Arnold-Gymnasium gekümmert. Thema war der "Mikrokosmos Blut". Und damit der Nachwuchs an den Bildschirmen etwas zu analysierten hatte, stach sich Antje Vondran in den Finger und gab Tröpfchen ihres Blutes auf Objektträger. Sie und ihre Kolleginnen Anja Scheler, Marina Stang und Katharina Trunzer legten die Glasplättchen unter die digitalen Mikroskope und teilten die Bilder live mit den Schülern.

In vier Teams bestimmten sie am Bildschirm beispielsweise Blutgruppen und beschäftigten sich mit Blutgerinnung, Immunzellen, Antikörpern und dem Lateral-Flow-Assay, einer biochemischen Methode, die auch beim Corona-Schnell-Test genutzt wird. Die Zusammenhänge zwischen Immunsystem, einer Infektion und Corona interessierten die Jugendlichen besonders.

Die Mitarbeiterinnen der Hochschule beantworteten in der Videokonferenz Fragen und übernahmen die Arbeiten im Labor, sie verrührten Antikörperlösungen mit den Blutzellen, machten die weißen Blutkörperchen durch eine Blutfärbung sichtbar, erklärten Laborausstattung und Reagenzien. Die Schüler waren live dabei und bekamen Arbeitsaufträge zu dem, was sie auf dem Bildschirm sahen. "Ihre Bereitschaft, sich darauf einzulassen, war grandios", sagt Vondran.

Ursprünglich wegen Corona

Das digitale Format wurde wegen Corona entwickelt, aber Dozentin Antje Vondran kann sich gut vorstellen, es künftig zu übernehmen - in ein zweistufiges Konzept: Grundlagen mit größerer Gruppe online, Vertiefung im kleinen Kreis im Labor. Und einige der Teilnehmer des digitalen Praktikums dürfen später auch noch vor Ort experimentieren: Am Ende gab's ein Quiz - und als Preise Gutscheine für einen Besuch im Labor, sobald es wieder möglich ist. nat