Nicole Julien-Mann Mitwitz —  Eine Perle von Mitwitz ist weithin berühmt: das romantische Wasserschloss, seit kurzem im Besitz des Landkreises Kronach. Ohne Zweifel ist es der optische Blickfang der Marktgemeinde im Steinachtal, doch bei einem Rundgang lassen sich weitere Schönheiten entdecken: alte Fachwerkhäuser, verzierte Schieferfassaden, Haustüren mit Schnitzerein, die Kirche, das Obere Schloss. Dazu Wohnhäuser, deren Patina die darunter liegende Schönheit nur erahnen lässt, und so mancher Leerstand.

"Wir brauchen dringend ein Stadtumbaumanagement", sagte deshalb Bürgermeister Oliver Plewa noch vor seinem Amtsantritt im Mai und griff damit ein Thema auf, das bei vielen Gemeinderäten bereits auf der Augenda stand. Kaum ein halbes Jahr später einigte sich der Gemeinderat schnell auf die Forchheimer Stadtplaner der Cima Beratung und Management GmbH.

Seit Mitte des Monats ist die Cima-Mitarbeiterin Julia Fangauer jeden Dienstag im Mitwitzer Rathaus anzutreffen. Die studierte Forstingenieurin mit einem Master in Regionalmanagement arbeitet zusammen mit der Architektin Bettina Seliger. "Wir ergänzen uns mit unseren Schwerpunkten sehr gut", ist Fangauer überzeugt. Sie freut sich auf die Aufgaben, die in Mitwitz auf sie warten. "Als Forstingenieurin habe ich ein grünes Herz und mir gefällt, wie grün es hier überall ist." So hat sie auch besonders die ökologische Pespektive im Blick, wenn es um das Wasserschloss geht: "Hier trifft das Grüne Band auf die Ökologische Bildungsstätte und mit der Umgestaltung der Fischerbrache erfährt auch die Föritz eine Aufwertung", freut sie sich.

Wo ist Handlungsbedarf?

Bis ihre Arbeit in Mitwitz sichtbar wird, muss sie sich durch Aktenberge arbeiten und selbst viel Papier erzeugen. Die Grundlage für die städtebauliche Entwicklung ist die sogenannte Voruntersuchung. Sie wurde in den letzten Jahren durchgeführt und beschreibt auf 160 Seiten, wo Handlungsbedarf ist. Dabei wird 15 Jahre in die Zukunft gedacht, denn alles auf einmal ist nicht zu bewältigen.

In Abstimmung mit der Regierung von Oberfranken wird im Frühjahr nächsten Jahres das Sanierungsgebiet in der Marktgemeinde festgelegt und ein kommunales Förderprogramm aufgesetzt. Im zweiten Schritt entsteht eine Gestaltungsfibel. "Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein Haus, das sie renovieren wollen, aber Sie zögern noch, weil Sie nicht genau wissen, wie Sie vorgehen sollen, und außerdem vor den Kosten zurückscheuen. Dann kommen wir ins Spiel und schlagen vor, wie Fassaden, Dächer, Fenster oder Türen aussehen können, und beraten Eigentümer dann bei ihren konkreten Umbauideen." Wer im Fördergebiet sein Anwesen saniert, kann von staatlicher finanzieller Zuwendung profitieren.

Projektmanagement, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit bei den großen Bauprojekten werden viel Raum einnehmen bei Julia Fangauer und Bettina Seliger. Da wären die Neugestaltung der Fischerbrache als Verbindung zum Schloss-Areal, der Rückbau des Mart'l-Hauses, ein Nutzungskonzept für die Alte Schule. Im Februar findet ein überregionaler runder Tisch statt, an dem das weitere Vorgehen beim Zapfenhaus mit der jüdischen Mikwe und der Laubhütte verhandelt wird.

Neben den städtebaulichen Maßnamen liefert das Stadtumbaumanagement noch mehr. Bürgermeister Plewa spricht von "harten und weichen Themen". Das Ziel liegt auf der Hand. "Wir wollen die Gemeinde attraktiver für Bürger und Gewerbetreibende machen."

Bezirk übernimmt Finanzierung

Ein weites Feld, zu dem mehrere Wege führen. Neben fachlicher Unterstützung bei Bauprojekten und der Entlastung der Gemeindeverwaltung, über die sich Geschäftsstellenleiter Stephan Urban besonders freut, geht es um Öffentlichkeitsarbeit und um Impulse beim Ortsmarketing bis hin zu Marketingmaßnahmen. Eine davon ist der Online-Adventskalender (siehe nebenstehenden Artikel).

Finanziert wird das Stadtumbaumanagement im Wesentlichen vom Bezirk. Das Projekt ist zunächst festgelegt auf ein Jahr und kann verlängert werden.

Im ersten Jahr haben sich Julia und Seliger das Innenentwicklungskonzept vorgenommen. "Darin geht es um aktives Flächenmanagement", sagt Fangauer, "also wo gibt es Leerstand und wie könnte dieser genutzt werden, wo gibt es Brachen oder Potenzial zur Ausweisung von Bauland."

Unterstützt werden die Städteplanerinnen von einer Lenkungsgruppe, die im Januar aus Vertretern der Gemeindefraktionen, der Gastronomie, des Gewerbes und der Vereine gebildet wird.

Julia Fangauer weiß, worauf es ankommt: "Stadtumbaumanagement ist nur dann erfolgreich, wenn sich viele Bürger und Vereine beteiligen, damit Angebote entstehen, die auch genutzt werden."