VON Bernd Chittka

Hammelburg — "Tante Paula" ist ein echtes Multitalent und neuestes Mitglied in der Flugzeugfamilie der Flugsportgruppe Hammelburg. Die Verantwortlichen waren lange auf der Suche nach einem Luftsportgerät gewesen, das für alle möglichen Aufgaben taugen sollte. Reiseflüge und Rundflüge mit vier Personen, die Eignung zum Segelflugzeugschlepp und für die Pilotenausbildung standen im Lastenheft. Im Frühjahr 2014 wurde schließlich eine gebrauchte DR400/180 in Norddeutschland für geeignet erklärt und günstig erworben. Aus den letzten beiden Buchstaben des Kennzeichens D-EGTP war schnell der Spitzname "Tante Paula" kreiert.

Paula ist "gegroundet"

Für den Winter ist sie erst einmal stillgelegt, gegroundet, wie die Flieger sagen, denn es stehen umfangreiche Ausbesserungs- und Verschönerungsarbeiten an. Die Jahre beim Vorbesitzer haben nicht nur an der Außenhaut ihre Spuren hinterlassen. Derzeit steht die DR400 ihrer Cockpit haube und Teilen ihres Leitwerks entledigt im Flugzeughangar. Piloten- und Passagiersitze sind ausgebaut, die Innenverkleidungen entfernt, die Instrumententafel schon teilweise von der alten, blättrig gewordenen Farbe befreit. Kurz gesagt, die Flugsportgruppe hat ein großes Winterprojekt.
Vereinsvorsitzender Rolf Schneider ist überzeugt, dass sie im März wieder startbereit ist. "Wir haben jede Menge Man-Power", sagt Schneider. "Bei uns bringt sich jeder entsprechend seinen Fähigkeiten und Kenntnissen in so ein Projekt ein." Glücklicherweise kann man vereinsintern auf professionelle Flugzeugmechaniker, Schweißer, Sattler und andere Handwerker zurückgreifen, was die Kosten überschaubarer macht.
Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, einiges muss jedoch an externe Firmen vergeben werden, und schließlich fallen auch Materialkosten an. Nicht zuletzt sind auch ein neuer Propeller und ein zusätzlicher Schalldämpfer fest eingeplant, denn der Lärmschutz ist den Flugsportlern ein wichtiges Anliegen.

Werbefläche Flugzeug

Ein Design für die Neugestaltung des äußeren Erscheinungsbildes steht noch nicht endgültig fest. Der Vorstand kann sich gut vorstellen, dass ein Sponsor seinen Firmennamen und sein Logo publikumswirksam platzieren möchte. "Ein Flugzeug ist als Werbefläche hervorragend geeignet", sagt Schneider und weiter: "Interessierte ortsansässige Firmen dürfen gerne auf uns zukommen."
Inzwischen ist die Schönheitskur in vollem Gang. Oft wird bis in den späten Abend hinein gearbeitet. Wenn zum Saisonstart 2015 die Segelflieger aufgebaut werden, darf "Tante Paula" wieder als Schleppmaschine zu Diensten sein, und der eine oder andere Hammelburger Pilot hat schon Pläne für Reisen durch Europa in der Schublade.
Die Struktur des Flugzeuges des französischen Herstellers Robin besteht hauptsächlich aus Holz und ist teilweise mit Stoff bespannt. Holz als Baustoff, das wirkt auf den ersten Blick in Zeiten, in denen Rümpfe und Tragflächen großer Airliner aus verklebten Kohlefaserteilen bestehen, etwas anachronistisch. Für Kleinflugzeuge ist der natürliche Rohstoff durch sein geringes Gewicht und seine hohe Belastbarkeit aber bestens geeignet. Dass die DR400 mit ihren charakteristischen Knickflügeln heute immer noch in Serie gebaut wird und in etlichen Varianten auf fast jedem Flugplatz in Deutschland anzutreffen ist, belegt die Robustheit und Zuverlässigkeit der Baureihe.
Die Hammelburger Maschine trägt die Zusatzbezeichnung Régent, was auf zwei zusätzliche Treibstofftanks in den Tragflächen hinweist, womit eine Flugdauer von mehr als fünf Stunden erreicht wird. In den letzten Monaten hat sich "Tante Paula" auf vielen Reiseflügen, Rundflügen und im Segelflugschlepp bei den Hammelburger Piloten beliebt gemacht.