Die Sitten und Gebräuche des Dreikönigstages, wie sie in Hammerbach üblich waren, hat Hauptlehrer Michael Stadter (1878-1934) aufgezeichnet. Einige Bräuche werden auch in der heutigen Zeit noch gepflegt, andere sind dagegen verschwunden. Dazu zählen vor allem jene, die mit der Landwirtschaft und der Viehhaltung in Verbindung gebracht wurden.

Kaum waren die Neujahrslieder verklungen und die Verslein und Sprüchlein abgeleiert, so traf man die Vorbereitungen für den Dreikönigstag, der mancherorts auch "Oberschttag" genannt wurde. Die Bäuerin hatte rechtzeitig für Kreide, Salz und Weihrauch gesorgt, das am Tag vor dem 6. Januar kirchlich geweiht wurde.

Mit der geweihten Kreide wurden am Dreikönigstag alle Tore und Türen, sogar die von Schränken und Truhen, mit den Buchstaben C+M+B und der Jahreszahl bezeichnet. Nichts durfte vergessen werden, sonst könnten "Druden" ihr böses Spiel in diesen Räumen treiben. Diese Buchstaben werden als Abkürzungen der Anfangsbuchstaben der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar gedeutet. Für die Hausbewohner drückten das Kreuzzeichen und die Buchstaben auch die Bitte aus, Gott möge das Haus und seine Bewohner auf die Fürbitte der Heiligen Drei Könige vor allem Unheil behüten. Denn es handelt sich dabei um die Abkürzung des lateinischen Segensspruches "Christus mansionem benedicat", Christus segne dieses Haus.

Geweihtes Salz für das Kalb

In kirchlichem Sinne erinnert die Jahreszahl an das neue Jahr, das ehedem an diesem Tage begann. Das geweihte Salz wurde während des ganzen Jahres aufgehoben. Eine Kälberkuh bekam als erste Nahrung einen "Schnitz Brot mit Dreikönigssalz". Kam sie das erste Mal aus dem Stall heraus, so erhielt sie diese Portion noch einmal, um sie vor Unglück und vor bösen Geistern zu bewahren.

Am Vorabend und am Dreikönigstag selbst aber kamen wieder Sänger oder "sonstig bettelnd Volk" und sangen oder sprachen vor den Türen stehend das Dreikönigslied:

"Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern,

sie suchten das Kindlein und hatten es gern.

Sie kamen vor Herodes' Haus,

Herodes schaut zum Fenster raus!

Herodes sprach voll Übermut:

,Bleibt hier bei mir, ihr habt es gut;

ich will euch geben Stroh und Heu

und will euch halten zehrungsfrei!‘

Die heiligen drei Könige, die nahmen's nicht an,

sie nahmen ihren Stern und zogen auf und davon.

Sie zogen alle drei den Berg hinauf,

der Stern blieb stehen wohl über dem Haus.

Sie gingen all drei in das Häuselein

und fanden das Kind im Krippelein.

Da kamen drei Engel vom Himmel geflogen:

Der erste, der heiß Sankt Thoma,

der brachte dem Kind sein Noma.

Der zweite, der hieß Sankt Gabriel,

der brachte dem Kindlein sein Leib und sein Seel.

Der dritte, der hieß Sankt Mat-thais,

der brachte dem Kindlein sei tägliche Speis'."

Dieser Heischebrauch wird in der heutigen Zeit von den Ministranten und weiteren Jugendlichen der katholischen Pfarreien in der Stadt Herzogenaurach und den Ortsteilen übernommen - außer im Corona-Jahr 2021, in dem diese Aktion auf andere Weise stattfindet. Die Sternsingeraktion in diesem Jahr steht unter dem Motto: "Heller denn je - die Welt braucht eine frohe Botschaft!" Das gesammelte Geld wird in diesem Jahr hauptsächlich für Kinder in der Ukraine eingesetzt.

Treffen im Wirtshaus

Ein weiterer Brauch zum Dreikönigstag wird auch heute noch gepflegt. Lehrer Stadter ließ anklingen, dass dieser damals vielleicht gerade deshalb geübt wurde, weil auch die holde Weiblichkeit daran beteiligt war. Diese führte nämlich ihre roten Wangen, die hübschen Augen und ihre weißen, gesunden Zähne darauf zurück. Am Neujahrstage ließen es sich Alt und Jung nicht nehmen, im Dorfwirtshaus die "Schönheit" zu trinken. Als Vorbereitung für die schwere Berufsarbeit im Frühjahr und Sommer und für die eigene kräftige Körperentwicklung wurde am Dreikönigstag dagegen die "Stärke" getrunken, und manche "holde Schöne", die glaubte, in der Menge des Getränkes liege der Erfolg, hat das Gegenteil empfinden müssen.

Auch nimmt die Tageslänge wieder zu. Dies lässt ein Spruch erkennen:

"Am Weihnachtstage wächst der Tag,

so weit die Mucken gähnen mag.

Am Neujahrstag wächst der Tag,

so weit der Haushahn krähen mag.

An Dreikönig wächst der Tag,

so weit das Hirschlein springen mag."